Besuch in Ansbach

Sebastians Kommentar aus den vergangenen Tagen

„Mal wieder eine kurze unglaubliche Geschichte. Gerade klingelt das Telefon und ein Herr meldet sich und erzählt mir, dass wir ja in Tadjikistan waren und da bei der Janosa (Bild 80) und ihrem Vater Rustam, dem Deutschlehrer übernachtet hätten. Sie ist gerade bei Ihm als Praktikantin in der Nähe von Ansbach und hat ihm vor kurzem unsere Karte gezeigt. 3 Wochen ist sie noch hier, da schauen wir auf jeden Fall mal in Ansbach vorbei!
Lustig an der Sache ist auch, dass wir vor 2 Wochen mal über sie gesprochen hatten und uns fragten ob sie in Deutschland war oder ist.“

Die Chance Janosa hier in Deutschland treffen zu können wollen wir uns nicht entgehen lassen und so machten wir uns am Montag auf den Weg nach Ansbach. Allerdings mit dem Auto!! Die Räder stehen brav in der Garage und erholen sich von den vergangenen Strapazen.
Am Vormittag kamen wir bei Janosa an. Sie macht seit 5 Monaten ein Praktikum auf dem Fischhof Hausmann. Hier lernte sie alles rund um den Fisch. Von der Aufzucht bis zur Ladentheke.
Wir waren etwa eine halbe Stunde zu spät und Janosa war schon ganz nervös. Als sie uns sah fiel sie uns freudestrahlend um den Hals. Eigentlich hätte sie arbeiten müssen doch ihr Chef ist ein solch herzlicher Mann, so dass sie ihre Arbeit nieder legen durfte und Zeit für uns hatte. Sie hat sehr viel Deutsch gelernt sodass wir uns mühelos mit ihr unterhalten können.
Bei Kaffee und Kuchen saßen wir mit ihr in einer gemütlichen Stube, erzählten ihr ein wenig von unserer Reise und erfuhren viel über sie seit dem sie in Deutschland ist. Sie hat Kontakt mit ihren Eltern und ihr Vater habe sie bei jedem Telefonat gefragt ob sie denn schon die zwei Radler angerufen hätte. Lange habe sie sich nicht getraut und auch unsere Karte nicht gefunden auf der unsere Adresse vermerkt war. Kürzlich sei ihr die Karte in ihrem Koffer begegnet worauf sie ihren Chef bat uns zu kontaktieren.
Während wir uns unterhalten kommen Herr und Frau Hausmann nach Hause (Janosas Chef). Wir werden herzlich begrüßt und zum Mittagessen eingeladen. Natürlich gibt es Fisch, wir sind ja schließlich auf einem Fischhof. Es schmeckt köstlich. Anschließend zeigt uns Janosa noch ihren Arbeitsplatz, dann tauschen wir nochmals Kontaktdaten aus, knipsen Erinnerungsfotos und dann heißt es schon wieder „Ade“. Ihr fällt es schwer und sie hat Tränen in den Augen als wir im Auto sitzen und vom Hof fahren.
Zwei Wochen ist sie noch hier, dann fliegt sie zurück nach Dushanbe. Zwei Jahre muss sie dort noch studieren ( irgendetwas mit Lebensmitteln, deshalb auch das Praktikum auf dem Hof 😉 ) Wer weiß vielleicht kommt sie dann wieder nach Deutschland? Aktuell freut sie sich sehr auf zu Hause, da sie dort einen Teil ihrer Familie wieder sehen wird. Ihre Mutter wird extra mit dem Taxi nach Dushanbe fahren (eine Richtung – Fahrt dauert einen Tag – Kosten pro Person – 50 US Dollar)
Die Freude auf die Familie überwiegt. Auf Grund der katastrophalen Straßenverhältnisse und der Tatsache, dass auch Einheimische für die Fahrt nach Dushanbe 50 Dollar zahlen müssen (für die meisten schlichtweg nicht möglich da zu teuer!) hat sie ihre Eltern seit über einem Jahr schon nicht mehr gesehen. Kurz nachdem wir sie damals in Tadjikistan getroffen haben ist sie wieder nach Dushanbe zurück gekehrt um ihr Studium fort zu setzen. Seitdem war sie kein einziges mal mehr in ihrem Heimatdorf bei ihrer Familie. Erst im Sommer 2016 wird sie dort wieder sein, nämlich dann wenn sie Semesterferien hat. Wie es ihr dort ergehen wird? Nachdem sie nun all den Luxus hier in Deutschland hautnah erleben durfte?

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