Internationaler Besuch

In Kuala Lumpur, Malaysia, lernten wir im Mai San und Keith, ein junges malaysisches Pärchen, kennen. Bei ihnen durften wir übernachten und uns auf unseren 12 stündigen Rückflug nach Istanbul vorbereiten. Schon damals erzälten sie uns, dass sie eine Radtour durch Europa machen möchten. Angedacht war ein halbes Jahr und der Start sollte im September sein. Damals waren wir völlig entsetzt, wie kann man nur im Herbst mit einer Radtour beginnen? Da ist es doch nass, kalt und dunkel.
Erfahrungen mit längeren Radreisen hatten sie überhaupt keine, ebenso schien uns ihr Equipment sehr fragwürdig. Das Einzige was sie zu diesem Zeitpunkt besaßen waren zwei Klappräder. Mit diesen wollten sie die Reise bestreiten.
Das ist doch Wahnsinn, wie soll das funktionieren? Wir erklärten den beiden, dass diese Jahreszeit nicht geeignet sei um solche Reisen zu unternehmen. Vor allem da es in Malaysia nie unter 20 Grad wird. Sie würden ja in Europa erfrieren.
San und Kieth schienen uns nicht sehr viel Glauben zu schenken, denn noch während wir bei ihnen vor Ort waren kündigten sie ihre Jobs und somit war der erste Schritt gemacht: ab September sind sie arbeitslos und wollen in die große Welt hinaus.
Auf unserem Weg nach Hause mussten wir oft an die beiden denken. Werden sie wirklich starten? Wie wird es ihnen dabei ergehen wenn wir schon, im wahrsten Sinne des Wortes, die Schnautze voll haben von diesen kalten Temperaturen?

In den nachfolgenden Monaten hatten wir einen losen E-mail-Kontakt mit San und Keith. Immer wieder stellten sie Fragen zur Ausrüstung. Nach wie vor waren wir skeptisch und deshalb umso überraschter als wir Anfang September die Nachricht erhielten, dass sie in London gelandet seien. Sie haben es tatsächlich gewagt und touren nun durch Europa, mal mit dem Rad, dann wieder mit Bus und Bahn und jeden Abend kehren sie bei einem neuen Gastgeber von „warmshowers“ ein, da sie nun am eigenen Leib erfahren haben, dass die Nächte bei uns mittlerweile doch sehr frisch sein können.
Am 24. Oktober erreichten sie Backnang und blieben bei uns 4 Nächte. 20151024_2023_P1090142_TZ10Wir verbrachten sehr schöne Tage mit ihnen und es gab sehr viel zu erzählen. Und für uns, Sebastian und mich, war es sehr interessant die beiden zu beobachten, zum Beispeil waren sie völlig begeistert von den Flaschen-Rückgabe-Automaten in den Supermärkten, weshalb sie diese immer wieder fotografierten, ebenso hielten sie jedes Frühstück, Mittag- und Abendessen mit ihrer Kamera fest und posierten vor Rosensträuchern und herbstlich bunt gefärbten Bäumen. Oder sie stellten für uns seltsame aber dennoch berechtigte Fragen, wie zum Beispiel: „Kann man das Wasser mit dem ihr in der Toillette spült auch trinken?“ Im ersten Moment waren wir irritiert, aber warum? Ganz einfach: Für uns ist es normal, wir sind damit aufgewachsen, für uns ist ein Flaschen-Automat nichts besonderes mehr. In Malaysia hingegen gibt es so etwas nicht. Da wird jede Flasche in den Müll oder noch schlimmer in den Straßengraben geschmissen und Leitungswasser dort zu trinken wäre gesundheitsschädlich wenn nicht gar gefährlich. Umso unvorstellbarer für sie, dass wir theoretisch in Deutschland das Wasser aus dem Spülkasten der Toilette trinken könnten.
Doch wenn wir an unsere Reise zurück denken, was haben wir fotografiert? Wir haben auch das Essen fest gehalten, haben uns darüber amüsiert, dass man in Laos sogar die Schuhe auszieht wenn man einen Einkaufsladen betritt und haben die Märkte stundenlang betrachtet und waren fasziniert und angeekelt zugleich wenn wir das tote Tier am Stück auf dem Tisch auf offener Straße haben liegen sehen. Damals haben sich die Einheimischen wahrscheinlich das Gleiche gefragt: „Was ist daran jetzt so komisch? Das ist doch ganz normal!?“


Es war toll nun mal Gastgeber zu sein und daran teil haben zu dürfen, was für „Ausländer“ völlig fremd für uns aber total normal ist.
Mittlerweile verstehen auch San und Kieth warum wir ihnen damals abgeraten hatten im September mit der Reise zu beginnen, denn nun spüren sie die Temperaturen am eigenen Leib. Und 10 Grad sind halt doch ein großer Unterschied zu 25 Grad 🙂 Doch sie wollen weiter reisen, bevorzugen nun aber Bus und Bahn um zügiger, „wärmer“ und „trockener“ voran zu kommen. Nun befinden sie sich auf dem Weg in den Süden. Über Österreich soll es nach Italien gehen. Wir sind gespannt was wir von ihnen in den nächsten Wochen hören werden und wünschen San und Keith ganz viel Spass, tolle Erfahrungen und noch einen lang andauernden goldenen Herbst.

2 Gedanken zu „Internationaler Besuch

    1. Barbara Beitragsautor

      Gedünstetes Gemüse (Karotte, Zwiebel und irgendetwas Grünes), Hackfleisch mit Ei, Kartoffel-Karotten mit Fleisch aus der Dose 😀 , Reis und Kohlsuppe mit Fischklösen und Tofu.
      Klingt komisch, hat aber bis auf das Süppchen bzw. die darin schwimmenden Fischbollen und das langweilige Tofu ganz gut geschmeckt 🙂

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