Blutige Yakköpfe

Wie geplant stiegen wir heute Morgen in den Bus.
Um 7 Uhr kamen wir am Bahnhof an, dieser befindet sich gerade im Umbau und in den letzten Tagen wurde auch kein Gepäck kontrolliert. Das ist ja super.
Von wegen super! Heute läuft natürlich der Scanner auf Hochtouren, also heißt es abladen und Gepäck aufs Band legen. Zwei Damen sitzen in ihrem Glaskasten, eigentlich haben sie die Aufgabe auf den Bildschirm zu gucken und sich die Gepäcktaschen anzusehen, doch heute sieht das anders aus, sie unterhalten sich sehr aufgeregt und erwecken den Eindruck als würden sie gar nicht mitbekommen was am Scanner passiert. Wir sind schon wieder tierisch genervt von dieser sinnlosen Aktion, weshalb Sebastian beschließt seine Lenkertasche gar nicht durchleuchten zu lassen. Eigentlich hätten die Damen da mal aufmerksam werden sollen, aber nein, sie sind zu sehr in ihr Gespräch vertieft. So viel zum Thema „Sicherheitskontrolle“. Alles nur Show!!
Ich schiebe mein Rad am Scanner vorbei um mein Gepäck auf der anderen Seite entgegenzunehmen und breche mal wieder in derartiges Fluchen aus. Das Gepäck kommt auf einem Rollband an und rutscht dann runter auf den Boden. Jetzt hat doch so ein chinesisches Erbsenhirn
nichts besseres zu tun gehabt, als genau dort auf den Boden zu spucken. Ich konnte meine Taschen gerade noch rechtzeitig auffangen, ansonsten wären sie darin gelandet. Wie abscheulich ist das denn? Ekeln sie sich nicht davor, wenn sie plötzlich in was nasses und schleimiges hineingreifen? Ebenso befand sich auch ein recht frischer Blutfleck am Boden. Ich dachte schon: „Oh weh, da hat sich aber einer schwer verletzt. Doch irgendwo nicht verwunderlich, sind die Chinesen doch sehr hektisch und aufdringlich. Da muss sich wohl einer in der Eile an seinem Gepäck verletzt haben.“ Wir hielten wieder einmal verschiedenen Leuten die Tickets unter die Nase um den richtigen Bus zu finden. Wir waren unter den Ersten am Bus und konnten somit gleich einladen, als der hektische Busfahrer kam. Diesmal war es ein kleiner Bus und der Stauraum recht spärlich. Nachdem unsere Sachen alle verstaut waren, war der Laderaum zu gut 70% gefüllt. Immer mehr Reisende, mit großen Taschen kamen kurz vor knapp und es wurde alles was nicht mehr unten in den Bus ging im Gang verstaut. Wir beobachten in Ruhe das Treiben und haben inzwischen herausgefunden woher das Blut am Scanner kam. Von wegen „Verletzungen“. Es werden hier mehrere frisch geschlachtete Yakköpfe, natürlich inkl. Hörnern, in viel zu kleinen undichten Plastiktaschen verpackt und im Bus transportiert. Wir hoffen, dass unsere Sachen nicht in der Blutlache, die sich im Laderaum ausbreitet, liegen. Außerdem wird uns wieder einmal deutlich, dass die Chinesen im allgemeinen nicht viel Grips haben. Wir hatten Plätze direkt hintereinander und wollten mit 2 jungen Mitfahrern tauschen. Beide haben allerdings nicht kapiert, was Sebastian mit seiner Körpersprache ausdrücken wollte. Ein Dritter hat die Situation beobachtet und ihnen dann auf chinesisch mitgeteilt was wir wollen. Kann das denn so schwer sein? Auf Grund anderer ähnlicher Erfahrungen glauben wir nicht, dass es an der frühen Uhrzeit lag. Auch kommt eine Mutti mit einem großen Koffer, der im Gang steht, nicht auf die Idee diesen in der leeren Sitzreihe vor sich zu parken. Natürlich saß sie wie wir in der zweiten Reihe. Somit mussten alle Reisenden inkl. ihrer großen Taschen über den Koffer klettern.

In Ya’an angekommen, haben wir uns erst einmal mit Reis und Gemüse gestärkt. Rund um den Busbahnhof befanden sich unendlich viele Suppenküchen. Wie so oft, kamen die Besitzer alle auf uns zugerannt und wollten uns in ihr Restaurant zerren. Doch da sind wir mittlerweile eiskalt. Wer so penetrant ist, der bekommt nicht unsere Aufmerksamkeit. Somit stellten wir die Räder ab und kehrten in die Suppenküche ein deren Besitzer am zurückhaltendsten war. Das Essen war lecker. Lustigerweise hängen in den meisten Restaurants Hygiene-Bewertungen. Komischerweise kehren wir immer in die ein, die die schlechteste Bewertung haben 😀 Doch da schmeckt’s in der Regel gut 🙂 Bemerkenswert ist hierbei, dass die schlechteste Bewertung kein „weinendes Gesicht“ hat.
Heute waren wir ausnahmsweise mal in einem Restaurant der „Mittelklasse“ 🙂

Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Leshan. Mich erinnert das Klima hier sehr an das Tropenhaus in der Wilhelma. Es hat zwar nur 18°C, doch dank der sehr hohen Luftfeuchtigkeit schwitzen wir schnell. Wir fahren durch Bambuswälder und hören unbekannte Tiere. Alles ist sehr grün, überall plätschert Wasser herab und der Himmel sieht neblig und feucht aus. Vor 24 Stunden waren wir noch in einer ganz anderen Welt. Faszinierend wie schnell sich das ändert. Die Nachtplatzsuche gestaltet sich mal wieder schwierig. Hier wird jeder Quadratmeter genutzt um irgendetwas anzupflanzen. Selbst auf scheinbar abgeerntete Felder trauen wir uns nicht, da dort schon wieder irgendetwas Neues aus dem Boden wächst und wir nicht wissen: Ist es Unkraut oder für den Chinesen etwas Essbares??

Ein Gedanke zu „Blutige Yakköpfe

  1. Kräß Hermann

    Hallo Ihr zwei Weltenradler ,es ist recht spannend im Blog eure Berichte zu lesen,und es ist ganz toll das ihr schon 1/2 Jahr unterwegs seid und das es euch
    gutgeht weiter so. bei mir ist alles bestens und es wird mir noch nicht langweilig Alles Gute Hermann

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