Ein Tag voller Erlebnisse

Der 7.11.2014 gilt seit langem mal wieder als ereignisreichster Tag.
So viele Erlebnisse auf einmal…da kann man nur noch hundemüde in das Bett fallen. Aber nun von vorne.
Da wir so dicht bei den Häusern liegen, erhalten wir gleich mal Besuch von einer älteren Frau, sie war schon am Morgen, bei dichtem Nebel auf ihrem Acker. Sie ist sehr neugierig und beobachtet uns, gemeinsam mit ihrem Enkel vom Gartentor aus. An pinkeln gehen ist hier also nicht zu denken. IMGP9293So machen wir uns auf den Weg, mit recht gefüllter Blase, doch es dauert nicht lange, da erreichen wir eine Tankstelle. Diese haben in der Regel recht saubere Toiletten, deshalb steuern wir sie gleich mal an. Ich suche das Klo, doch ich kann es nicht finden. Der Tankwart kommt mir entgegen, mittels Körpersprache gebe ich ihm zu verstehen, dass ich mal ganz dringend müsste. Er versteht sofort und zeigt mir den Weg. Erleichtert komme ich zurück und bedanke mich bei dem jungen Mann. Er spricht mich auf chinesisch an, ich sage ihm dass ich ihn nicht verstehe, und sage einfach mal Kunming und zeige in die Richtung in die wir fahren werden. Er sieht mich ganz überrascht an, Kunming?? ich nicke, er lacht und schüttelt mit dem Kopf, ganz unter dem Motto „ihr seid doch verrückt“. Dann wage ich mich: Ich deute auf mich und sage „Deutschland“ auf Chinesisch. Er sieht mich wieder an, Deutschland?? Ihm fallen fast die Augen aus dem Kopf, er lacht und hebt den Daumen hoch. Wir verabschieden uns mit einem kräftigen Händedruck voneinander, dann gehe ich ganz beflügelt zurück zu Sebastian. In diesem Moment bin ich völlig von den Socken, er hat mich wirklich verstanden?? Ich habe mit einem Chinesen „kommunizieren“ können??
Ich berichte Sebastian davon, er mag es kaum glauben 🙂 Während der Weiterfahrt bin ich immer noch hin und weg und kann es gar nicht fassen, ein Chinese hat mich verstanden, ohne mich ständig blöd und mit ganz vielen Fragezeichen anzusehen. Über welche Dinge man sich auf solch einer Reise freut 🙂
Wir erreichen Zigong und da es schon wieder Mittag ist und unzählige Parkanlagen in der Stadt zu finden sind, beschließen wir hier zu bleiben und Pause zu machen.

Wir nehmen natürlich ausgerechnet den Park neben einer Olympiade-Halle. Dementsprechend sieht es auch dort aus, etliche Sportgeräte, wie wir sie häufig auch im Iran gesehen hatten und Tischtennisplatten stehen herum, doch leider ohne Spieler. In der Nähe machen wir ausgiebig Mittagspause. Als Sebastian nochmal zu den Tischen schaut, sind doch 2 tatsächlich belegt, also nix wie Räder holen und dort hin. Wir stellen uns neugierig daneben und da dauert es auch nicht lange, da erhält Sebastian eine Einladung zum Spiel. Nach einer knappen halben Stunde ist dann Schluss mit Lustig und wir radeln weiter.

Hier ein paar Zeilen von Sebastian:
Als ich kurz schaute, haben doch tatsächlich zwei Anzugträger mit der Rückseite ihres Smartphones gespielt. Als wir mit den Rädern zurück kamen allerdings nicht mehr. Die Anderen haben je einen Satz gespielt und der Verlierer musste die Platte verlassen, dann ist einer der beiden Zuschauer eingesprungen. Der Junge Mann im Jeanshemd hat sehr viele Sätze am Stück gespielt, also galt es diesen zu Schlagen. Mein Schläger war auf der roten Seite ok, auf der schwarzen jedoch sehr glatt. Demnach ging mit schwarz und meinen „normalen“ Schlägen gar nichts. Vor jedem Ballwechsel entschied ich mich also ob ich eher Vorhand oder Rückhand spielen will. Das Schlägerdrehen ging nur schief. Bald habe ich den Stammplatz an der Platte inne gehabt, es hat wieder einmal richtig Spaß gemacht!


In einer weiteren Stadt kaufen wir noch etwas Gemüse auf dem Markt ein, dabei fällt uns auf, dass eine Vielzahl der Leute an Bambus herum kaut. Wir sind sehr neugierig, das wollen wir auch mal probieren. Leider kann man diesen Bambus aber nur in einer Länge von gut 2 Metern kaufen! Die geschäftstüchtige Dame, lässt sich das nicht nehmen, sie nimmt den Bambus, schält ihn ruckzuck und hackt in kleine Stücke, dann hält sie uns den Beutel strahlend entgegen, getreu dem Motto: „Hier ihr Touristler, jetzt könnt ihr ihn in eure Taschen packen!“
Mit 2 Meter Bambus im Gepäck und einem kleinen Stück in der Hand geht es dann weiter. Es schmeckt sehr süß und saftig, doch man hat , je länger man kaut, sehr viel „Sägespäne“ im Mund, die wir immer wieder auf die Straße spucken. Sebastian ist der Meinung, man kann die Fasern runter schlucken, doch das glaube ich nicht, denn je länger man kaut, desto trockener wird das Ganze und kratzt im Hals.
Wir suchen uns einen Platz für die Nacht und biegen auf einen kleinen Weg ab. Wir kommen an einem abgeernteten Stück Feld vorbei. Niemand ist zu sehen den wir fragen könnten ob es in Ordnung geht, dass wir hier bleiben, deshalb beginnen wir einfach mal mit dem Zeltaufbau. Wir sind gerade dabei, da kommt ein älterer Herr vorbei er sieht uns sehr grimmig an und spricht irgendetwas, dabei deutet er immer in die andere Richtung. Er möchte wohl nicht, dass wir hier schlafen. Wir sehen uns an, wo er immer hin deutet. Ein Fleckchen mit kniehohem Gras und kleinen Büschen darauf, dass sei wohl in Ordnung. Er wirkt erleichtert, als wir umziehen und lacht sogar, dann geht er davon. Es dauert nicht lange, da kommt eine Frau. Wir wollen uns nochmals versichern ob wirklich alles okay ist, wenn wir hier schlafen. Sie nickt mit dem Kopf und lächelt, dann geht sie auch. Wir bauen auf und beginnen zu kochen. Es ist schon dunkel, als wir ins Zelt schlüpfen wollen zum Essen. Doch plötzlich tauchen der Mann, sowie die Frau und zwei weitere Männer auf. Sie reden auf uns ein, doch wir verstehen nichts, die Frau macht die Geste zum „essen“. Stolz zeigen wir ihr unseren Reis-Gemüse-Eintopf. Sie sieht begeistert aus und die Männer sehr interessiert. Die Frau merkt schnell, dass wir essen wollen und treibt die Männer zum Rückzug an. Wir haben gerade gegessen und knabbern noch an einem Bambusstück, da rücken die Herrschaften schon wieder an, dieses Mal bewaffnet mit Taschenlampen, da es stockfinster ist. Einer der Herren beugt sich zu uns ins Zelt, er spricht wild auf uns ein. Doch wir verstehen nichts. Dann soll ich etwas auf einen Zettel schreiben, ja was denn?? Sebastian meint ich soll einfach den Namen darauf kritzeln. Gesagt getan, der Mann kann natürlich nichts damit anfangen, er schreibt etwas auf chinesisch zurück. Tja, weiß ich auch nicht was das heißt. Sie entfernen sich 3 Meter vom Zelt und stehen da, rauchen und unterhalten sich aufgeregt, mittlerweile ist die Truppe auf 6 Mann angewachsen, dann wird telefoniert. Mein Gott, was wird nun passieren?? Entweder sie haben jetzt einen Übersetzer eingeschaltet, auf den sie nun warten, oder sie haben die Polizei informiert. Denn laut Gesetz ist wild zelten in China zwar erlaubt aber man sollte sich eigentlich immer am Abend bei einer Polizeidienststelle registrieren lassen. (das macht aber niemand! Zumal nicht immer eine Polizeistation da ist wenn man sie braucht) Nun denn, jetzt heißt es abwarten, irgendwas wird noch passieren. Recht angespannt sitzen wir im Zelt und knabbern einen Bambus nach dem anderen (haben ja Gott sei Dank 2 Meter :-D) und raspeln eine Sägespäne nach der anderen, bis unser Topf fast voll ist. Draußen stehen immer noch die Herrschaften, dann plötzlich verschwinden sie. Komisch und nun? Wir warten noch einen Moment, plötzlich tauchen schon wieder Taschenlampen auf, drei Männer kommen auf uns zu, unter ihnen zwei Polizisten. Oha, was werden die jetzt mit uns machen? Auf den ersten Eindruck sehen sie sehr entspannt aus. Das erleichtert uns schon mal sehr. Wir dürfen im Zelt sitzen bleiben, sie beugen sich zu uns hinunter, einer von ihnen muss mit der Taschenlampe leuchten, der andere hält mir einen Zettel entgegen, darauf steht geschrieben: „Passport“. Kein Problem könnt ihr haben, doch ich will mich nochmal versichern, dass es wirklich Polizisten sind und linze auf seine Jacke. Der junge Polizist bekommt es mit, lacht und hält mir seinen linken Oberkörper entgegen, darauf ist sei Dienstnummer zu erkennen sowie sein Dienstgrad. Er blättert durch die Pässe, macht sich ein paar Fotos von ihnen, ruft irgendwo an, Sebastian zählt noch die Städte auf, in die wir fahren wollen, sein Kollege macht noch Bilder von uns wie wir im Zelt sitzen und dann ist der Spuk auch schon vorbei. „No Problem“ sagt der junge Mann, sie lachen und verschwinden in der
Dunkelheit.

4 Gedanken zu „Ein Tag voller Erlebnisse

  1. Gert Fritsche

    Die Stangen aus denen man den süßen Saft rauskaut ist Zuckerrohr . Man sieht auch oft wie sie in voller Länge durch Metallwalzen mit großem Handschwungrad gequetscht werden , um den Saft auszupressen

    1. Sebastian

      Ja, das haben wir dann von Anja und Peter gelernt, siehe nächster Tag. 😉 In Malaysia wird er im Gegensatz zu Vietnam sehr oft durchgezogen, sodass am Ende wirklich nur noch Staub übrig bleibt.

  2. Martin

    Hallo Sebastian,
    endlich mal Tischtennis. Es sieht ja so aus, als kannst Du es noch. Wie spielt es sich gegen Penholder?
    Anläßlich Deines ersten Tischtennisfotos habe ich Euren Artikel auch mal auf der TTG-Seite verlinkt:
    Sebastian spielt in China.
    Ich wünsche Euch eine gute Weiterfahrt und uns auch weiterhin spannende Berichte von Euch,
    ciao
    Martin

    1. Sebastian

      Ja, es hat bis auf den schlechten Rückhandbelag echt super geklappt, ich war sehr begeistert. Der Vorhand Topspinn hat mir aber einen zweitägigen Muskelkater in der Schulter und dem Oberarm eingebracht. Fast 8 Monate ohne TT sind dann wohl doch zu viel. Gegen diesen Penholder war es angenehm. Mit Schlägen auf seiner Vorhandseite hat er allerdings wirklich viel Schnitt in den Ball gebracht, das sah gar nicht danach aus!
      Schöner Artikel auf der Seite, vielen Dank!
      Morgen gehts weiter in Richtung Vietnam, ca. 400km. Mal sehen obs nochmal was wird in den letzten 5 Tagen China.

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