6€ für kein Wasser

Als wir aufwachen staunen wir nicht schlecht: 3 große Reisebusse stehen auf dem Zeltplatz und somit jede Menge Zelte. Wir sind schon früh auf und nutzen das noch leere Badezimmer. In einer Stunde, wenn die Sonne alle Zelte einheizt, wird dort drin wohl die Hölle los sein.
Um 8 sitzen wir dann auf den Rädern und radeln auf einer kleinen Straße durch die tolle Bergwelt. Es ist einfach schön hier, und das finden nicht nur wir, sondern auch ganz viele Tschechen, Polen und Belgier. An einem kleinen Pass stehen unendlich viele Autos, da dort der Einstieg in diverse Wanderwege ist, nicht verwunderlich, dass dort auch ein Ranger steht, der fleißig die 3€ pro Person abkassiert. Wir rollen gemütlich an ihm vorbei und halten ein paar Meter weiter an um Bilder zu knipsen.

Es geht leicht bergab ehe dann wieder 200 Höhenmeter auf uns warten. Es ist heiß und unser Wasser neigt sich dem Ende zu. Wir entdecken ein Schild, das mal wieder auf eine Quelle hinweist. Diese Chance sollten wir nutzen, die letzten Kilometer gab es auch kein Wasser, wer weiß wann die nächste Möglichkeit kommt. So stellen wir die Räder am Straßenrand ab, ich setze mich auf ein Bänkchen, Sebastian sucht die Quelle. Direkt an der Straße kann er nichts finden, doch in knapp 100 Metern befindet sich eine Viehtränke, vielleicht gibt es dort was. Irgendwo muss doch etwas sein, sonst wäre doch das Schild nicht da? Es dauert nicht lange, da ist er wieder zurück, allerdings mit leeren Flaschen. Er hat nichts gefunden. Zeitgleich mit Sebastian stolpert ein Mann über die Wiese. Es ist ein Ranger. Sofort beginnt er mit „Nationalpark-Ticket“. Wir sehen ihn verwundert an. Warum? Ja ganz einfach, wir haben die Straße verlassen und Sebastian ist obendrein auch noch über eine Wiese gestapft. Das sei Nationalpark, da müsse er bezahlen. Na geht’s noch?? Der Ranger spricht kein Englisch, stattdessen wedelt er mit einem Block voller Eintrittskarten vor Sebastians Nase und gestikuliert wild in der Gegend herum. So wie wir ihn verstehen, hätten wir nichts zahlen müssen, so lange wir auf der Straße geblieben wären, so wie all die Motorradfahrer die zu diesem Zeitpunkt an uns vorbei düsen. Da wir aber abgestiegen sind und den kostbaren Boden betreten haben müssen wir nun 6€ zahlen. Der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wir weigern uns strickt, Sebastian holt all sein Münzgeld raus, dies hätte nur für einen „Eintritt“ gelangt. Doch dies will der Ranger nicht, stattdessen scheucht er uns davon. Diese komische Nationalpark-Regelung gehört auf jeden Fall nochmal überdacht. Das ist doch der größte Schwachsinn schlechthin, zumal man noch nicht einmal erkennt „wo fängt der Park an und wo hört er wieder auf“. Wir sehen zu dass wir weiter kommen. Bei einer langen Abfahrt ins Tal treffen wir ein dänisches Paar. Sie sind seit 11 Monaten in Europa unterwegs.


Wir plaudern ein wenig, dann geht es immer tiefer hinab bis zu einem Stausee. Enge Serpentinen und viele Tunnels bringen uns ins Tal.

Unten angekommen haut es uns beinahe um. Es ist so heiß dort. Die Höhenmeter hat man doch deutlich gespürt. Wir radeln auf der Hauptstraße Richtung Süden. Die Landschaft ist wenig spektakulär. Wieder haben wir Wassermangel und Sebastian ist hundemüde. Doch weit und breit ist weder Wasser noch ein Schlafplatz zu finden. Tapfer strampelt er weiter bis wir ein Restaurant entdecken. Wir fragen nach ob wir auf dem Gelände zelten dürfen. Absolut kein Problem. Wir lassen uns nieder und essen zum Dank „Schnitzel“ und Civapcci, danach bauen wir unsere Hütte auf. Ein kleiner Wachhund bewacht sein Revier und kommt neugierig zu uns her. Ich sitze gerade in der Apside, die Tür ist offen. Der Hund kommt zu mir, schnuppert an mir, schnuppert am Zelt und ich traue meinen Augen kaum: Direkt neben mir hebt er sein Bein und will ans Zelt pinkeln. Wie aus Reflex, hebe ich die Hand und haue dem Hund auf seinen Allerwertesten. Sofort sinkt das Bein und er rennt jaulend davon. Also alles was recht ist! Sebastian äußert bedenken: Was wenn der Hund in der Nacht kommt und hin pinkelt? Da fiel uns ein, das Gert (Türkei) erzählt hatte, er sprühe seine Zeltecken mit Pfefferspray ein und das würde helfen. Ja warum denn nicht? Das probieren wir sofort aus. Sebastian will es erledigen, ich warne ihn nochmals, dass er vorsichtig sein soll, doch scheinbar war das Dornröschen schon wieder mit einem großen Zeh im Traumland, denn zuerst kehrte seltsame Ruhe ein, dann wurde wie wild geflucht. Ich blicke aus dem Zelt, was ist passiert? Ich fasse es nicht und so leid es mir tut, ich muss mir das Lachen wahnsinnig verkneifen. Sebastian hockt mit hochrotem Kopf und zusammengekniffenen Augen auf dem Boden, der Rotz läuft aus der Nase. Er hat etwas abbekommen vom guten Pfefferduft 😀 schnell ein nasser, kalter Lappen her, mehrmals das Gesicht und die Augen waschen, dann beruhigt er sich wieder.
Ob es nun wirklich gegen den Hund helfen wird, wissen wir erst morgen früh, dass aber das Spray, das mir Opa vor 11 Jahren!! geschenkt hatte heute noch wirkt kann Sebastian auf jeden Fall bestätigen!

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