Das letzte Stück nach oben

Wir haben super geschlafen. Bei ca. 15 Grad war es mit unseren Schlafsäcken richtig kuschelig im Zelt. Ich möchte gar nicht aufstehen, doch Sebastian treibt mich hinaus. Wir haben noch ein paar Höhenmeter vor uns. Um 8 Uhr sitzen wir nochmals im kleinen Bretter-Buden-Lokal und die Köchin bereitet uns ein Nudelfrühstück zu. Für uns Europäer wäre es eigentlich ein Mittagessen doch hier gibt es gebratene Nudeln schon zum Frühstück. Andere Länder andere Sitten. Um 9 Uhr sitzen wir wieder auf den Rädern und strampeln immer höher hinaus.

Ich traue meinen Augen kaum, als urplötzlich eine Polizei-Kontrolle vor uns auf der Straße auftaucht. Das darf doch jetzt nicht wahr sein. Hoffentlich halten sie uns nicht an und wollen die Pässe sehen. Clive radelt nach vorne, grüßt freundlich und lächelt ihnen zu, Sebastian ruft ihnen auf malaysisch „Hallo“ zu, ich winke freundlich, sie grüßen zurück und winken uns durch. Mein Herz pocht. Mein Gott, nochmal Glück gehabt. Wir haben zwar schon einen Plan, was wir tun, wenn doch jemand auf unsere Pässe besteht. Doch ich wäre froh, wenn wir diesen nicht anwenden müssen!
Wir radeln weiter und mein Pulsschlag normalisiert sich wieder. Plötzlich liegt eine Welt der Gewächshäuser vor uns.


Hier oben wird allerhand Gemüse und Obst angepflanzt, ganz berühmt sind die Cameron Highlands für ihren Tee und die Erdbeeren. Beim ersten großen Laden halten wir an. Dort kann man Erdbeeren selbst pflücken. In Blumentöpfen hängen sie im Gewächshaus. Doch pflücken wollen wir sie nicht, wir essen ein Erdbeer-Wassereis. Es schmeckt wie gefrorene Erdbeermarmelade. Sehr lecker!
Die Gewächshäuser nehmen immer mehr zu. Ein Tal voller Plastikdächer liegt vor uns. Die Einheimischen haben hier sehr stark in die Natur eingegriffen. An den steilsten Hängen roden sie den Dschungel um dort auf Terrassen ihre Gärten anlegen zu können. Der viele Plastikmüll landet dahinter in einem großen Graben oder wird in einen Bach geschmissen. Wir entdecken viele unschöne Stellen. Schade, dass die Natur darunter so leiden muss. Wir erreichen zwei „Bergdörfer“. Sie haben aber schon lange nichts mehr mit der Idylle zu tun, die man sich vorstellt. So wie die Kohlköpfe und Erdbeerpflanzen aus dem Boden sprießen, so sprießen auch die Hotels. Riesige, hässliche Gebäudekomplexe stehen an den steilen Hängen.
Es ist Wochenende. Viele Malaien kommen an ihren freien Tagen hier hoch in die Berge. So stauen sich am Mittag die Autos auf den engen Straßen, auf Märkten drängeln sich die Menschen, es ist richtig was los hier. Wir beobachten eine Weile das Treiben, dann kaufen wir uns Erdbeeren mit Schokosoße. Sie schmecken köstlich!!
Am Nachmittag machen wir uns auf zu unserer Unterkunft. Erik hat uns erzählt, dass es in Bringchang einen Campingplatz gibt. Dort wollen wir hin, denn wir haben keine Lust auf Zimmersuche und die Preise sind hier am Wochenende verdammt teuer. Oftmals doppelt so teuer wie unter der Woche! Das wollen wir nicht und so radeln wir zum Zeltplatz. Auf dem Weg dort hin sehen wir Teeplantagen. Sie sehen toll aus.
Wir erreichen den Platz. Er liegt hinter einem Golfplatz im Wald. Ein Schild weißt darauf hin, dass man sich eine Erlaubnis bei irgendeinem Büro einholen muss. Nur dann darf man hier zelten. Mir wird es etwas mulmig. Was, wenn die für diese Genehmigung einen Pass sehen wollen?? Clive und Sebastian beruhigen mich. Sie glauben nicht, dass jemand unsere Pässe sehen will. Clive erkundigt sich bei einem Mann, wo man denn diese Erlaubnis kaufen muss. Der Mann stellt sich als „Parkwächter“ heraus und so bezahlen wir ihm ca. 1€ pro Person. Schon werde ich wieder ruhiger. Das hat ja nochmal gut geklappt. Wir bauen unsere Zelte auf und beginnen zu staunen als eine ganze Busladung muslimischer Frauen anrückt. Sie werden begleitet von einer handvoll Männer. Sie kommen von einer Universität und verbringen ihr Wochenende hier. Da es kaum mehr freie Plätze gibt, bauen sie ganz dicht bei uns ihre Zelte auf. Wir sitzen auf einer Bank und sehen ihnen dabei zu. Die Zelte sind sehr einfach. Hoffentlich kommt heute Nacht kein starker Regenschauer. Sie werden sonst gnadenlos absaufen.
Am Abend radeln wir in eine nahe gelegene Ortschaft und essen dort Indisch. Wieder mal sehr lecker! Nun liegen wir im Zelt, in der Ferne ist ein Gewitter, es regnet leicht. Hoffentlich wird es nicht mehr werden. Ansonsten werden unsere Zeltnachbarn keine schöne Nacht haben.

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