Delphi

Die Nacht war so was von unangenehm, das es kaum zu beschreiben ist. Wir lagen nicht lange im Zelt, da nahm die Windintensität immer weiter zu. Die Bäume an der Hauptstraße schwankten wild hin und her und das Rauschen der Zweige und Blätter war extrem laut. Insgesamt war unser Plätzchen immer noch relativ windgeschützt, doch die ein oder andere Böe fand den Weg zu uns und brachte unser Zelt in Bewegung. Unaufhörlich tanzte die Zeltkuppel hin und her, traf eine schwere Böe auf uns, dann drückte es die Wände nach innen und das Zeltgestänge begann sich zu biegen.

Dornröschen hatte sich mit einem schnellen Pieks an der Spindel fein aus dem Staub gemacht. Sie schwebte im wahrsten Sinne des Wortes im Traumland, während Rumpelstielzchen mal wieder nervös daneben lag und sich den Kopf darüber zerbrach, ob das Zelt davon fliegen kann? – Wenn ja? Wie kann man das verhindern? – Wie kann man das Zelt festhalten? – Was passiert wenn das Zeltgestänge bricht oder der Stoff einreist?…Fragen über Fragen und der Wind wurde stärker und stärker. Es war kein Wind mehr, es war schon ein Sturm. Gemeinsam einsam lagen Dornröschen und Rumpelstielzchen nebeneinander im Zelt. Als bei einer heftigen Böe das Zelt drohte einzubrechen, die komplette Seite wölbte sich nach innen, verlor Rumpelstielzchen die Geduld und holte Dornröschen jäh aus ihrem Schlaf. „Wach jetzt auf du alte Prinzessin! Unser Zelt fliegt gleich davon! Hilf mir es fest zu halten.!“ Dornröschen war von diesem Weckruf verständlicherweise nicht begeistert, half aber mit und stieg sogar aus dem Zelt in die dunkle und stürmische Nacht um all die Heringe zu überprüfen, die das Schloss am Boden ankern sollten. Dieser Akt war jedoch genug, es war wieder Zeit für die Spindel und weg war Dornröschen. Rumpelstielzchen konnte es einfach nicht fassen. Wie kann man einfach so schlafen, wenn doch jederzeit das einzige Dach das man über dem Kopf hat, droht davon zu fliegen? Zwischen den Sturm mischten sich immer wieder starke Regenschauer. Der Regen wurde gnadenlos an das Zelt gepeitscht doch Gott sei Dank und oh Wunder, es kam kaum Feuchtigkeit ins Innenzelt. Was heißen soll: Wir blieben trocken!
Es wurde später und später und der Wind wollte einfach nicht weniger werden, ganz im Gegenteil, er wurde stärker. Irgendwann döste dann auch Rumpelstielzchen ein wurde aber wieder jäh aufgeweckt als das Zelt so stark vom Wind eingedrückt wurde, dass die kleine Lenkertasche auf dessen Kopf fiel. Es war wieder Zeit für Dornröschen die Lage der Heringe zu checken. Ein Kreislauf, der die ganze Nacht anhielt. Spindel-Schlaf-Hering-Check-Spindel-Schlaf-…..Insgesamt kontrollierte Dornröschen 6x die Heringe, bzw. verankerte sie neu. Um halb 7 beendeten wir die Nacht. Es stürmte noch immer, dennoch wollten wir weiter. Wir waren nämlich voller Zuversicht, dass es am Ende vom Tal besser sein wird. Wir waren der Meinung, das es hier erst recht so stürmt, da das Tal so eng ist und quasi einen Windkanal bildet. Dort wo das Tal breiter wird, ist es bestimmt nicht so schlimm. Gesagt getan, wir packten so gut es ging alles ordentlich ein und ließen uns vom Wind vorwärts schieben. Keine 100 Meter weiter, hinter einer Kurve, entdeckten wir 4 Hotels. Na toll, wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir vielleicht umziehen können.
Wir kommen gut voran, immer wieder nieselt es fein. Wir erreichen Araknova, ein kleines und enges Städtchen am Berg. Es scheint ein Skiort zu sein, denn überall kann man Ski ausleihen, Unterricht nehmen etc.. Allerdings bleibt es uns nach wie vor ein Rätsel wo hier im Winter Ski gefahren wird. Der höchste Gipfel ist ca. 2450 Meter hoch, doch wir können keinerlei Skilifte entdecken.


Sebastian will an einem Bankautomaten schnell Geld abheben. Er gibt seine Pin-Nummer ein und flupp, weg ist die Karte. Er hatte gestern an zwei verschiedenen Automaten versucht Geld abzuheben, jedes Mal aber die falsche Nummer eingetippt, nun war es zwar die richtige Nummer doch der Automat war skeptisch und zog die Karte kurzerhand ein. Eigentlich ärgerlich, doch ich muss schmunzeln 🙂 Endlich passieren mir nicht nur die blöden Dinge 🙂 Ein Anruf bei der Bank genügte um zu erfahren, das die Karte nun auf nimmer nimmer wiedersehen verschwunden ist. Tja Pech gehabt. Gott sei Dank haben wir noch meine dabei, die ich erst in Istanbul erhalten habe 🙂
Wir rollen im Nieselregen bergab zur antiken Stätte Delphi. Auch hier kann man wieder ein paar Überreste von Säulen, Gebäuden, Theater und Stadien besichtigen. Das Orakel von Delphi, welches Apollon geweiht war, war das wichtigste im antike Griechenland.

Vor ein paar Wochen hatten wir entschieden auf dem Rückweg „nur“ noch die Weltkulturerbestätten zu besuchen, doch diese hat uns nicht vom Hocker gehauen. Es ist kalt und nass-grau. Nicht gerade das schönste Wetter für Freilicht-Rundgänge. Doch einen Vorteil hat es, es ist nicht viel los. Ein paar Franzosen und Griechen sowie eine taiwanesische Reisegruppe sind unterwegs. Ein taiwanesisches Ehepaar spricht uns an. Sie haben uns als Radler identifiziert und sind neugierig. Sebastian erzählt ihnen wie lange wir schon unterwegs sind, sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Wir radeln weiter bergab und lassen uns um 12 Uhr auf einem Campingplatz nieder. Nach der gestrigen Nacht benötigen wir heute einen Ruhetag und das Wetter ist alles andere als einladend.

Ein Gedanke zu „Delphi

  1. Sebastian

    Tja, so ist das eben. Barbara sieht das mit dem Wetter meist etwas zu kritisch und ist dann zu hektisch und ich bin wohl eher manchmal zu entspannt. Als Mittelwert kommt dann aber scheinbar das passende dabei raus. 😉

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