„Heute fahren wir aber wirklich los!“ Das sagen wir uns als um halb 7 der Wecker klingelt. Keiner von uns Dreien hat eigentlich wirklich Lust. Am liebsten würden wir uns noch einmal umdrehen und liegen bleiben. Doch wir stehen auf und bauen die Zelte ab. Um halb 8 radeln wir zum Inder, frühstücken und machen uns für die Weiterfahrt bereit.
Schnell geht es auf 1000 Meter über dem Meeresspiegel hinab. Ab da ist es dann ein mehr oder weniger stetiges auf und ab. 200 Höhenmeter hinunter 50 Höhenmeter hinauf… So kommen wir langsam immer tiefer und mit jedem Kilometer wird es heißer. Es gibt unterwegs nur einen „Rastplatz“. Dort sind zwei Essensstände aufgebaut, mehr aber auch nicht. Wir nehmen ein paar kühle Getränke zu uns, dann setzen wir die Fahrt fort. Es ist bereits Mittag und die Sonne knallt gnadenlos auf uns nieder.
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- er war schon tot
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- hier wird Platz gemacht für neue Plantagen
Eigentlich wäre es sinnvoll gewesen am „Rastplatz“ große Mittagspause zu machen. Dort war wenigstens etwas Schatten. Doch irgendwie hat da niemand daran gedacht. Wir wollten einfach nur weiter. So strampeln wir schweigsam weiter und schwitzen um die Wette. Der Puls ist stark erhöht und der Kopf glüht als wir nach 97 km das erste Dorf erreichen. Es befindet sich an einer großen Kreuzung und somit gibt es dort auch zahlreiche Essensstände. Wir nehmen am erstbesten Stand Platz und trinken einen Eiskaffee. Nachdem der Zuckerhaushalt wieder halbwegs reguliert ist, und wir wieder klar denken können wird uns erst einmal das Ausmaß der Speisen bewusst. Es sieht nicht sehr ansehnlich aus. Schon vom alleinigen hin gucken habe ich das Gefühl ich bekomme Durchfall. Selbst die Männer wollen hier nichts essen. Als ich aufs Klo musste wurde mir richtig schlecht. An sich sah das WC sauber aus, doch Milliarden von Fliegen saßen auf dem Boden und schossen in die Luft als ich einen Schritt hinein tat. Wääähh…
Nachdem wir halbwegs fit waren suchten wir das Weite und fanden ein nettes Restaurant um die Ecke. Es war sehr sauber und die Bedienung ausgesprochen freundlich. Wir aßen dort etwas und fühlten uns wieder stark genug. Es war mittlerweile 16 Uhr als wir auf die Räder stiegen um in das 40 km entfernte Kuala Lipis zu radeln. Drei verschiedene Personen hatten uns gesagt, dass der Weg dort hin flach sei. So beschlossen wir, dass wir dies heute noch schaffen werden. Doch Pustekuchen. Flach ist anders!!!! Wie schon so oft, ist auf die Aussagen von Autofahrern einfach kein Verlass. Es geht auf und ab, auf und ab. Wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich heute nicht mehr weiter gefahren. Doch nun kämpfen wir uns weiter.
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- Palmöl-Plantagen
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- uralte Mercedes LKWs sind hier unterwegs
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- chinesischer Friedhof
20 km vor Kuala Lipis machen wir nochmal einen Kaffeestopp. Ich bin fix und alle. Mein Kopf gleicht einer kleinen Bombe, die kurz vor der Explosion steht. Feuerrot und völlig erhitzt, der Puls rast, mir ist etwas übel. Ich kann nicht mehr. Doch ich beiße wieder die Zähne zusammen und kämpfe mit den Männern weiter. Sebastian scheint noch der Fitteste zu sein. Um 7 Uhr erreichen wir Kuala Lipis. Clive und ich kratzen unsere letzten Energiereserven zusammen und „besichtigen“ verschiedene Hotelzimmer. Manche sind völlig schäbig und herunter gekommen, andere stinken nach Zigarrettenrauch und wieder andere Zimmer haben Bettwäsche mit Blutflecken darauf. Ein Zimmer war so eng, dunkel und stickig, sodass Clive zum Besitzer sagte: „Da ist ja das englische Gefängnis besser, als das hier!“ Es war wirklich ein fürchterliches Zimmer. Nachdem wir im vierten Hotel noch um die Zimmer verhandelten, sie waren zwar sauber, doch Ameisen liefen über das Bett, blieben wir dann dort. Wir checkten ein, und als wäre der Tag nicht schon anstrengend genug gewesen, müssen wir unser ganzes Gepäck in den dritten Stock hoch tragen. 🙁 Um halb 9 Uhr gingen wir nochmals hinaus um etwas zu essen. Anschließend fielen wir hundemüde in die Betten.
Obwohl wir 2400 Höhenmeter bergab gefahren sind, sind wir durch das ständige auf und ab auch 1000 Höhenmeter hoch gefahren. Insgesamt saßen wir 6 Stunden und 45 Minuten auf dem Rad und strampelten 140 km. Ich bin stolz auf uns!!! Bei diesem Klima eine wahre Meisterleistung!!! Wir haben uns einen Ruhetag verdient 🙂