Mir war Angst und Bange

Gestern Abend dauerte es nicht lange, da erhielten wir Besuch. Es war zwischen 22 und 23 Uhr als ich aufwachte und Männerstimmen hörte. Da es draußen erstaunlich hell war und wir die Apsiden offen gelassen hatten, konnte ich sehen, dass direkt neben unserem Zelt 3 Männer mit einem Moped standen. Ich erschrak völlig und dachte mir: „Das darf doch jetzt nicht wahr sein?“ Ich weckte Sebastian auf, wir blieben mucksmäuschenstill liegen und warteten ab was nun passierte. Die Männer unterhielten sich und entfernten sich etwas vom Zelt. Wir hörten wie Steine gerückt wurden, sie nahmen wohl Platz im ca. 10 Meter entfernten „Häuschen“, dann wurden Feuerzeuge bedient, danach trat für eine Zeit lang Stille ein… Meine Güte, wir liegen im Zelt und unweit von uns sitzen drei Männer und fixxen sich. Ich bin völlig angespannt und zittere vor Angst, Sebastian versucht mich zu beruhigen. Plötzlich klingeln Handys, ein Mann telefoniert, 5 Minuten später rollt noch ein Moped an, 1 Meter an unserem Zelt vorbei. Es sind zwei Männer, sie scheinen keinerlei Notiz von uns zu nehmen und gehen direkt zu den anderen. Wieder werden Feuerzeuge bedient, es wird mit etwas geraschelt, dann tritt wieder Stille ein. Irgendwann beginnt erneut die Unterhaltung, sie lachen. Was wird wohl passieren? Werden sie uns jetzt registrieren und zu uns kommen?? Ich zittere immer noch am ganzen Körper, wir beide sind sehr angespannt und ich mache mir Vorwürfe, warum wir so dämlich waren und uns hier her gelegt haben. Wir hätten uns doch ein anderes Plätzchen suchen können. Wir liegen noch eine ganze Weile da, versuchen ganz ruhig liegen zu bleiben, so dass sie nicht durch Geräusche auf uns aufmerksam werden und siehe da, irgendwann beenden sie ihre Unterhaltung, steigen auf ihre Mopeds und fahren davon. Wir atmen auf. Was war das denn?? Sie haben so getan, als wären wir nicht da, haben sich einen Schuss verpasst und sind dann wieder nach Hause. Es ist unbeschreiblich. Es dauert eine ganze Weile bis wir wieder einschlafen können.20141206_0640_IMGP0615_K-30
Um 6 Uhr stehen wir auf und packen ein, es kam niemand mehr in der Nacht, doch geschlafen haben wir dennoch nicht gut.
Etwas müde steigen wir auf die Räder und fahren los. Sogleich wissen wir, dass wir heute Wochenende haben, denn in jeder Stadt sind Hochzeiten zu sehen. Schon morgens um halb 8 läuft die Musik über Lautsprecher und es wird gefeiert.


Wir fahren durch eine tolle Landschaft, sie erinnert nach wie vor an die Halong Bucht, nur dass das Meer fehlt. Am Mittag finden wir ein schönes Plätzchen für die Mittagspause. Eine große Wiese neben einer Schule. Wir lassen uns dort nieder und beginnen zu Essen, da erhalten wir Besuch von einem Mann. Er scheint völlig entsetzt darüber zu sein, dass wir hier auf der Wiese sitzen und essen. Er gibt Geräusche von sich, als wolle er gleich heulen und einen Nervenzusammenbruch erleiden. Immer wieder zeigt er zu einem Tor, scheinbar wohnt er dort, er will uns dort einladen. Da wir uns schon breit gemacht haben und uns der Mann nicht gerade sympathisch erscheint, lehnen wir dankend ab, doch er lässt uns keine Ruhe, immer wieder zeigt er auf die Wiese, fuchtelt herum,.. Was will er denn?? Er rückt uns immer näher auf die Pelle, klopft mir immer wieder auf den Arm oder den Rücken. Wir sind sehr schnell genervt. Sebastian macht ihm unmissverständlich deutlich, dass wir hier sitzen bleiben und nicht mit zu ihm wollen und ich klopfe ihn zurück als er mich wieder am Arm antatscht. So was penetrantes! Sebastian wird mit jeder Sekunde gereizter, irgendwann steht der Mann auf und geht. Doch es währt nicht lange, da kommt er schon wieder zurück, mit drei Schnapsgläsern und einer Flasche Wodka in der Hand. „Nein, ich will nicht mit dir saufen!!“ Ich nehme ihm das Schnapsglas aus der Hand und drehe es auf den Kopf, ehe er was einschenken kann. Während er mit den Gläsern vor uns herum fuchtelt packen wir unsere Sachen ein. Sebastians Geduldsfaden ist am reisen. Als ihm der Mann, trotz mehrmaligen Ablehnen, dennoch ein gefülltes Glas reicht, nimmt Sebastian das Glas entgegen und leert es vor dem Mann auf dem Boden aus. Der Mann ist absolut entsetzt und blickt auf den Boden, als läge dort ein riesiger Scherbenhaufen. Es war nicht die feine Englische Art, doch es hat wirklich sehr genervt. Auch wenn man die Sprache des anderen nicht versteht, unsere Körpersprache war eindeutig und dennoch lies uns der Mann nicht in Ruhe. Wir liesen ihn auf der Wiese zurück, soll er seinen Wodka alleine trinken.
Wir radeln weiter, trinken unterwegs noch mal einen leckeren Kaffee und suchen dann einen Nachtplatz. Ein kleiner Weg führt von der Straße aus zwischen hohen Bambus. Ein Mann ist dort mit seinen Kühen, Sebastian fragt ihn ob wir hier schlafen dürfen, er nickt und zeigt uns ein geeignetes Plätzchen. Dann geht er mit seinen Kühen weiter. Als wir gerade am Kochen sind, kommt ein Mann mit einem kleinen Mädchen, sie wohnen im Haus, ca. 100 Meter entfernt von uns. Er wollte wohl nur mal schauen. Sieht uns interessiert zu, wir zeigen ihm unser Essen und lassen ihn daran riechen, er ist erfreut. Dann kehrt er mit seiner Tochter zurück.

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