Nicht jeder Tag kann perfekt sein

Die warmen Sonnenstrahlen scheinen auf unser Zelt und wecken uns. Es ist schon kurz nach 7 und längst Zeit zum Aufstehen. Die Wiesen sind noch nass vom Nebel der Nacht, der Himmel ist strahlend blau. Wir frühstücken und genießen die herrliche Landschaft. 4 Pferde werden von einem Mann zum Bach gebracht. Sie sollen dort trinken ehe sie weiter oben fest gemacht werden. Eines der Pferde ist aber so neugierig, dass es kaum zum Trinken kommt da es ständig zu uns herüber sehen muss 😀

Wir sind gerade am einpacken da hören wir lautes Gebell. Von einem Hügel kommen 6 Hunde laut bellend direkt auf uns zu gerannt. Oh mein Gott, diese Viehcher! Sie kommen näher und bleiben ca. 4 Meter von uns entfernt stehen. Sie sind so groß wie Kälber und manche haben Stacheldraht-Halsbänder. Erstaunlicherweise bleiben wir völlig ruhig. Vor einem Jahr wären wir wohl vor lauter Schreck und Angst ins Zelt geflüchtet oder ich hätte mich hinter Sebastian versteckt. Doch heute lachen wir darüber. Blicken die Hunde an und fragen sie warum sie solch einen Aufstand machen. Muss das sein? In dieser Idylle? Sie bellen weiter und kommen näher auf uns zu. Sebastian geht ihnen entgegen und schreit ein lautes „HEY“ und schon ziehen sie den Schwanz ein und laufen davon. Ist das ihr Ernst? Ja sie rennen weg, nur einer bleibt. Er will es wohl wissen. Er kommt immer näher auf uns zu, ich will meinen Schuh aufheben und andeuten dass ich werfe, just in diesem Moment schmeißt sich der Hund vor mir zu Boden und streckt alle Viere in die Luft. Mein Gott und ihr wollt Wachhunde sein? Große Klappe und nichts dahinter. Dann zieht auch er davon.
Wir packen ein und radeln weiter, nochmals begegnen wir der Hundetruppe, wieder machen sie einen großen Aufstand und hauen schnell ab. Ich werde nicht schlau aus diesen Kötern. Bin aber sehr stolz auf uns und vor allem auf mich, dass ich mittlerweile so ruhig geworden bin, wenn uns solch ein Hund/Hunderudel begegnet.
Die Landschaft ist toll, wir radeln an einem See entlang und genießen den herrlichen Ausblick. An manch einer Stelle wird Landwirtschaft betrieben. Uns kommt ein Opa entgegen, auf einem seltsamen Gefährt, ich würde ja fast sagen es war ein „Geländegängiger-Allrad-Rollstuhl“. Der Opa ist in beinahe Schrittgeschwindigkeit unterwegs, er grüßt uns freundlich und bittet uns anzuhalten. Wir bleiben stehen, er prabbelt irgendetwas auf griechisch und zeigt immer wieder auf die Lenkung. Sebastian sieht sich das Ganze einmal an und weiß schnell was der Opa meint. Da sitzt eine Schraube locker. Sebastian kruschtelt in seiner Werkzeugsammlung und findet das passende Werkzeug und zieht die Mutter so gut es geht wieder an. Der Opa ist glücklich, bedankt sich und rumpelt auf seinem Fahrzeug davon. Wenn er damit in das nächste Dorf will, dann hat er noch was zu tun. 🙂


Für uns ist Schluss auf der kleinen Hochebene. Es geht bergab in ein Tal. Im ersten Dorf halten wir an. Hier wollen wir einkaufen gehen. Die nächsten Dörfer sind laut Karte sehr klein, wir wissen nicht ob es dort eine Möglichkeit gibt also erledigen wir hier unsere Besorgungen. Doch Pustekuchen, hier gibt es keinen Laden. Sebastian fragt in einem Cafe nach. Ein junger Mann sagt ihm, dass es hier nichts gibt, auch in den kommenden Dörfern nicht. Wir müssten noch weiter hinab ins Tal fahren, dort gibt es wieder einen Laden.
Dieses Dorf in dem es einen Laden geben soll, liegt überhaupt nicht auf unserem Weg und ob wir es bis 14 Uhr erreichen werden ist fraglich. 14 Uhr deshalb, da heute Samstag ist und die Läden dann für gewöhnlich schließen. Erst am Montag wird wieder geöffnet.
Ratlos stehen wir auf der Gasse. Was haben wir noch an Essen dabei? 2 Äpfel, 6 Müsliriegel, ein halbes Brot, ein kleines Stück Käse und ein noch kleineres Stück Salami, etwas Marmelade/Nutella und Tomatenmark. Bis Montagmorgen reicht das nicht. Es hilft alles nichts, wir müssen unseren Plan umwerfen und hinab ins Tal fahren, in der Hoffnung dort noch etwas zu bekommen. Ansonsten müssen wir noch weitere 30 km fahren, dort ist eine große Stadt, da werden die Läden mit Sicherheit noch offen haben.
Wir radeln weiter und durchqueren noch 3 Dörfer, doch diese sind alle viel kleiner als das Erste und haben erst recht nichts zu bieten. Wir sind relativ gefrustet, zumal es nicht einfach nur bergab geht, sonder ständig rauf und runter. Wir radeln und radeln, immer mit dem Gedanken, dass um 14 Uhr der Laden zu macht. Nach 50 km, 800 Höhenmetern und knurrendem Magen, kommen völlig platt um kurz vor 14 Uhr vor dem Laden im besagten Dörfchen zum Stehen. Die Tür steht noch hoffen. Schnell hasten wir hinein, jetzt sind wir drin, wir haben es gerade noch rechtzeitig geschafft. Raus schmeißen wird uns die Verkäuferin sicher nicht. Wir suchen all die Dinge zusammen die wir benötigen und stehen überglücklich aber noch reichlich angespannt vor der Kassiererin. Ich frage sie wie lange sie heute noch offen hat und wir fallen beinahe vom Glauben ab. Ihre Antwort: „1 oder 2 Uhr nach Mitternacht!!!!!“ Wir versichern uns nochmal ob sie wirklich meint was sie gerade auf Englisch sagt. Sie nickt und betont nochmals: „1-2 Uhr nach Mitternacht!! Da der Markt an ein Cafe angeschlossen ist.“ Wenn wir das gewusst hätten…..Hätte Hätte Fahrradkette. Wir stolpern hinaus und stehen mit unseren Tüten in der Hand da. Wir sind recht unterzuckert und wissen kaum was wir als nächstes eigentlich tun sollen/wollen/können/müssen. Ich frage die Besitzerin ob wir auf den Stühlen von ihrem Cafe Platz nehmen und unsere Sachen essen können. Na klar doch, sie will uns sogar noch Teller bringen doch ich lehne dankend ab. Stattdessen bringt sie uns die obligatorische griechische Papiertischdecke. 🙂
Schlechtes Wetter zieht auf und so kommt es das wir nach und nach in das Cafe umsiedeln, noch einen griech. Kaffee trinken und ein Eis essen und abwarten bis das Gewitter abgezogen ist. Nach 16 Uhr setzen wir die Fahrt dann endlich fort. Es geht weiter auf einsamer kleiner Landstraße. Wieder rauf und runter, rauf und runter. Die Aussicht hält sich in Grenzen, da alle Berge sehr bewaldet sind. Da ist der Schwarzwald ein Witz dagegen. Ein weiterer, längerer Anstieg folgt, wir haben keine Lust mehr. Am nächsten Brunnen tanken wir ausreichend Wasser und schlagen irgendwo im Nirgendwo unser Nachtlager auf einer kleinen Wiese auf. Ein Bach ist ganz in der Nähe, dort nehmen wir nach einander ein Vollbad und genießen die letzten Sonnenstunden. Allerdings wollen lästige Fliegen uns dies nicht gönnen, weshalb wir fluchtartig ins Zelt verschwinden. Bzw. verschwinden wollen, denn beim Verschwinden stelle ich mit Entsetzen fest, das sich eine Ameisenstraße am Zelt hoch arbeitet. Selbst im Zelt krabbelten die riesen Dinger schon. Uns blieb nichts anderes übrig als das Zelt umzusiedeln. Was für ein Tag!

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