Was ist denn da los?

Als wir auf unsere Räder steigen schläft der halbe Campingplatz noch. Es ist früh und angenehm frisch. Auf kleinen Landstraßen radeln wir durch die Hügellandschaft. Es ist flach und wir kommen gut voran und so erreichen wir zur Mittagszeit Velika Kladusa, die Grenzstadt. Unser letztes Geld geht im Bäcker für Pizzastücke und Brot sowie ein Eis drauf, dann rollen wir hinab zum Grenzposten. Es ist einiges los dort, viele Einheimische reisen nach Bosnien ein und viele Kroaten reisen aus. Wie wir später erfahren, waren sie wahrscheinlich alle in Bosnien einkaufen da es dort günstiger ist. Die bosnischen und kroatischen Grenzer werfen einen schnellen Blick in die Pässe, mit einem Stempel rechnen wir noch nicht einmal mehr, aber auch das Einscannen der Pässe fällt heute aus.

Wir verlassen die Hauptstraße und wollen wieder auf kleineren Nebenstraßen radeln. Zu Beginn ist es auch gar kein Problem doch irgendwann befinden wir uns mal wieder auf einer Schotterpiste die sich mal mehr mal weniger steil durch Wiesen und Wälder schlängelt. Ab und an sieht man Häuserruinen, es wohnt kaum mehr jemand hier.

Alles ist verlassen und herunter gekommen. Während wir in der Einsamkeit vor uns her strampeln und den Gedanken nachhängen ertönt plötzlich laute und fröhliche Musik. Nanu, was ist das denn? Sind wir etwa in Asien? Da war es ja normal Musik so laut auf zu drehen, dass man sie 10 km weiter immer noch bestens hören kann.
Wir kommen aus einem Waldstück heraus und sehen ein paar Pavillons und Menschen. Eine Hochzeit vielleicht. Der Weg führt direkt daran vorbei und so haben wir einen guten Einblick in das Geschehen. Neugierig bleiben wir stehen und sehen uns das Treiben an. Eine Hochzeit ist es definitiv nicht. Eine kleine Live-Band spielt, es riecht lecker nach gegrillten Würstchen und es sitzen ein paar Menschen, die meisten über 60 Jahre alt, auf Bierbänken. Während wir stehen und gucken werden wir von ein paar Männern entdeckt und an die Tische gewunken. Der Gedanke an Würstchen lässt uns das Wasser im Mund zusammen laufen und so stellen wir die Räder ab und gehen zu den zwei Männern die uns her gewunken haben. Wie sich sofort heraus stellt, lebt Josef seit vielen Jahren schon in Deutschland, aktuell in Mainz und so können wir uns problemlos auf Deutsch unterhalten. Er bringt uns zur Bar und bestellt uns Fleisch und Würstchen, sowie Getränke. Wir sagten ihm, dass wir nur 3,50€ haben und uns somit das viele Fleisch nicht leisten können, ein Würstchen würde genügen. Er beruhigte uns und sagte, dass es auf seine Kosten ginge. Er wolle uns herzlich einladen. Wir waren überglücklich und freuten uns sehr darüber. Gemeinsam saßen wir am Tisch aßen und erfuhren so einiges von ihm. Bei dem Fest handelte es sich übrigens um eine Art Gedenkfeier. An einem Mahnmal wurde ein Blumenkranz niedergelegt und eine Kerze angezündet. Gedacht wurde der Toten aus dem 2. Weltkrieg. Eigentlich unglaublich, das ist nun schon so lange her, doch irgendwo in der kroatischen Pampa wird hier ein Fest ausgetragen, an die Gefallenen gedacht und ausgiebig gefeiert und getanzt. Mehrmals wurden wir gefragt wo wir heute Nacht schlafen werden, wir könnten doch hier bleiben mit feiern und auch hier schlafen. Als Josef später aber nebenbei bemerkte, dass das Fest frühestens um Mitternacht ein Ende finden würde, beschlossen wir doch die Fahrt fort zu setzen. Wir würden ja kaum zur Ruhe kommen. So verabschiedeten wir uns und rollten weiter. In der Nähe von zwei Höfen schlugen wir unser Nachtlager auf. Mal sehen ob die Hunde heute Nacht Krach machen oder ruhig sind.

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