Wieder mal einer diese Zufälle

Am Sonntamorgen frühstückten wir nochmal alle gemeinsam, dann hieß es Adieu sagen. Jeffrey musste arbeiten und Summse und Daniel machten sich auf den Heimweg. Immerhin hatten sie noch 500 km vor sich. Leider ging wie immer alles so schnell vorbei und so bleibt uns nur: Dankeschön Jeffrey, dass wir dich kennen lernen durften und du so offen, spontan und gastfreundlich bist, dass sogar „die Sabiiiiiiiiiiiiieeeneeeeeeee“ mit Daniel kommen konnte. Vielen lieben Dank!! Dein Humor und deine Witze werden uns in Erinnerung bleiben und vielleicht radelst du ja mal durch Süd-Deutschland und nicht nur außen herum, dann hast du auf jeden Fall schon mal ein Bett bei uns 😉

Um 10 Uhr ging dann jeder seiner Wege, während die anderen auf die Arbeit oder die Autobahn rollten, strampelten wir nach St. Johan um dann der Salzach flussaufwärts zu folgen. Der Radweg zog sich gemächlich bergauf. Die Steigung war kaum zu spüren.
Wir befinden uns gerade auf einer kleinen Landstraße und gelangen an eine Kreuzung. Hier müssten wir eine querverlaufende Hauptstraße kreuzen um genau auf der anderen Seite unseren Weg fortsetzen zu können, doch dieses Überqueren wird uns verwehrt. Weshalb? Ein Radrennen findet statt bzw. die erste Weltmeisterschaft in Europa des Ironman 70.3( 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und 21 km Laufen) Am Vortag hatte das Rennen für die breite Masse stattgefunden, doch heute waren wirklich nur die Profis unterwegs! Die Kreuzung ist gesperrt da auf der Hauptstraße eine Unmenge an Radlern in Höchstgeschwindigkeit vorbei saußen. Dazwischen gibt es immer wieder mal ein paar Lücken in denen wir schnell auf die andere Seite rollen könnten, doch wir dürfen nicht. Wir müssen warten bis das Rennen zu Ende ist. Das bedeutet für uns 1 ½ Stunden warten. Das darf doch nicht denen ihr Ernst sein? Etwas verärgert stehen wir hinter der Absperrung, als unsere Aufmerksamkeit auf einen belgischen Teilnehmer fällt. Er steht noch unweit von uns entfernt mit seinem Rad am Straßenrand. Seine Kette ist gerissen. Sebastian spricht ihn an und bietet unsere Hilfe an. Wir kramen all unser Werkzeug hervor und schaffen es, dass die Kette wieder verbunden wird und der Belgier das Rennen fort setzen kann. Er ist überglücklich und dankbar darüber, hatte er doch vor wenigen Minuten noch gedacht, dass das Rennen nun für ihn gelaufen ist. Doch so kann er sich nun wieder aufs Rad schwingen und weiter radeln. Erster wird er nicht mehr, aber Hauptsache zu Ende bringen. Strahlend fährt er davon und genau in diesem Moment rollt ein Deutscher Teilnehmer langsam an. Was hat der denn? Einen Plattfuß. Wir geben uns gleich als Radler zu erkennen und bieten auch ihm unsere Hilfe an. Er hat nur noch diesen einen Schlauch, kein Flickzeug, dafür aber 2 Löcher 😀 Wir helfen ihm bei der Reparatur. Bzw. wir erledigen das für ihn, da er total nervös ist. Hat sich doch vor wenigen Minuten bei ihm wieder Hoffnung gezeigt, dass er das Rennen doch noch fort setzen kann. Denn auch er dachte, es sei nun für ihn gelaufen. Auch er bedankte sich strahlend und fuhr überglücklich davon. Auch wir strahlen. Haben wir es doch zwei Teilnehmern ermöglicht den Ironman 70.3 fort zu setzen. Ohne uns wären sie nicht mehr ins Ziel gekommen, bzw. nur mit dem Besenwagen. Wir hoffen, dass bei beiden alles gehalten und sie das Ziel gesund und munter erreicht haben. Um 14 Uhr wird dann endlich die Straßensperrung aufgehoben und wir können weiter. Doch kurz darauf eine zweite Sperrung. Schon wieder müssen wir die Rennstrecke überqueren, doch sie ist für uns noch nicht frei gegeben. So sitzen wir wieder hinter der Absperrung. Plötzlich sehen wir einen Teilnehmer, gefolgt von Polizei mit Blaulicht und dahinter eine Kolonne Motorradfahrer. Es ist der letzte Teilnehmer. Wird er eskortiert? Leider nur bis zu uns, dann wird er gestoppt. Die Zeit ist abgelaufen, er ist aus dem Rennen ausgeschieden, er war zu langsam, nun wird die Straße wieder für den Verkehr frei gegeben. Der Arme. Er sieht sehr enttäuscht und traurig aus. Doch er war schon in älteren Semester, ein Wunder, dass er sich überhaupt gewagt hat mit zu machen.


Die Straßen sind wieder frei und wir können endlich weiter rollen, nach Bruck, in der Nähe von Zell am See. Wir fahren auf einem Radweg neben der Hauptstraße als es plötzlich hinter uns hupt. Im Augenwinkel sehe ich wie ein Auto hinter uns auf dem Radweg fährt. Wir schimpfen laut. „Was will denn der Depp? Das ist ein Radweg und keine Autostraße!“ Und ich beschließe mich keinen Meter zur Seite zu bewegen, denn in 20 Metern muss er eh auf die Straße auffahren da der Radweg in einer Unterführung verschwindet. Wir rollen gerade zu dieser Unterführung hinab als jemand laut „Basti“ schreit. Huch wer kennt seinen Namen? Wir halten an und drehen uns um und trauen unseren Augen kaum. Es ist Mützi (eigentlich Markus). Sebastians Freund schon aus Kindheitsjahren. Wir sind völlig sprachlos und wissen gar nicht was geschieht. Mützi hingegen steht grinsend vor uns. Er war der Autofahrer der eben gehupt hatte 😀 Seit gestern ist er mit seiner Freundin in der Nähe von Zell am See im Urlaub. Auf Grund des Radrennens kamen sie nicht zu ihrem Hotel und so beschlossen sie kurzerhand sich die Gegend anzusehen. Sie kamen aus der Gegenrichtung und Mützi sah uns auf dem Radweg fahren. Er war sich nicht 100% sicher ob wir es wirklich sind, doch da sie nichts nennenswertes vor hatten, drehte er kurzerhand um und folgte uns auf dem Radweg. Noch immer stehen wir sprachlos da, die Unterführung scheint uns für eine Unterhaltung nicht ganz gemütlich, zumal seine Freundin ja auch noch im Auto wartet. Wir fahren gemeinsam auf eine Landstraße und finden ein Bänkchen am Straßenrand. Dann sitzen wir dort und unterhalten uns knapp 2 Stunden lang. Es ist einfach unglaublich. Da sind wir 16 Monate unterwegs und wir treffen uns einfach so mitten in Österreich auf einem Radweg? Die beiden wussten nicht, dass wir aktuell hier sind, denn der letzte Kontakt lag schon ein paar Wochen wenn nicht sogar Monate zurück. Wahnsinn, nicht wahr??

Um 17 Uhr trennen sich unsere Wege wieder. Wir müssen unbedingt noch ein paar Kilometer radeln bzw. Höhenmeter machen. Wir wollen nämlich die Großglockner Straße fahren und diese zieht sich so ziemlich in die Länge und in die Höhe. Damit es für morgen nicht allzu hart wird, wollen wir heute noch bis zur Mautstelle in Ferleiten kommen. Mützi weiß wo das ist, dort waren sie nämlich am Vormittag um einen Tierpark zu besichtigen. Er fragt ob sie uns am Abend nochmal besuchen kommen dürfen. Wir sind ganz baff. Ja warum nicht? Wir wissen allerdings noch nicht wo wir schlafen werden und es wird noch min. 2 Stunden dauern bis wir dort sind. Den beiden scheint dies nichts auszumachen, so verabschieden wir uns voneinander mit dem Wissen, später nochmal zu telefonieren und sich dann noch mal zu sehen.
Wir strampeln bergauf und denken an die vergangenen zwei Stunden. Wir können es noch immer nicht fassen. Mitten in Österreich treffen wir einfach so auf Sebastians Freund. Als wäre man zu Hause und trifft sich zufällig auf dem Heimweg zwischen zwei Ortschaften. Dinge gibt’s, das ist doch unglaublich. Um 19 Uhr erreichen wir die Mautstelle, hier beginnt die Großglockner Hochalpen Straße. PKWs müssen 34,50€ zahlen!! Radfahrer sind Gott sei Dank kostenlos. Hinter der Mautstelle befindet sich ein riesiger Parkplatz vom Tierpark, einige Wohnmobile stehen schon dort, sie werden sicherlich auch hier schlafen. So suchen wir uns einen Platz etwas abseits, dann rufen wir Mützi an. Trotz dessen dass es hier oben recht frisch ist und es bestimmt schon dunkel ist wenn sie da sind, wollen sie kommen. Nun denn, dann bis später. Zur Not können wir uns ja ins Zelt setzen, dann wird es definitiv warm 🙂
Um halb 9 trudeln sie ein. Wir machen es uns auf einem Holzstapel gemütlich, schauen in den Himmeln und plaudern über Gott und die Welt und staunen noch immer über diesen heutigen Zufall. Verrückte Welt. Zwischen 22 und 23 Uhr fahren sie dann in ihr Hotelzimmer zurück und wir kriechen ins Zelt. Morgen wird ein harter Tag!

Der belgische Teilnehmer mit dem Kettenriss, Jaryd De Mooij, hat das Rennen dann wirklich zu Ende bringen können und hat mit einer Zeit von 5:05 h Platz 725 belegt. Auch der Deutsche Ralf Schön kam nach 6:21 h ins Ziel und belegte somit Platz 1996.

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