Zu feucht für die Pässe

Die Nacht war sehr unruhig. In der ersten Nachthälfte konnte ich nicht schlafen, da immer wieder Autos direkt vor uns auf dem Weg vorbei fuhren und ab und an rannten irgendwelche Tiere aus dem Gebüsch. Dem Geräusch nach können es Rehe gewesen sein. Um Mitternacht schlief ich dann endlich ein, doch um 4:15 Uhr war schon wieder alles vorbei.

Ich wachte auf und hörte ein Gewitter, es war ganz in der Nähe. Immer wieder erhellte sich der Nachthimmel von den Blitzen. Ich lauschte und stellte schnell fest, dass das Gewitter näher kam. Um 4:30 Uhr war es direkt über uns. Es war von gewaltigem Ausmaß, so dass sogar das Dornröschen erwachte. Alle zwei Sekunden schossen Blitze vom Himmel herab und erhellten unser Zelt, es donnerte ununterbrochen. Es war ein wahnsinniger Lärm. Dann setzte Regen ein, dieser wurde von einem heftigen Sturm an die Zeltwände geklatscht. Es war unheimlich. Ich lag stock steif in meinem Schlafsack und zitterte am ganzen Laib. Ich muss zugeben, ich hatte tierische Angst. Auch Sebastian schien etwas angespannt zu sein, auf Nachfragen ob er Angst hätte, die typische Antwort: „Och nöö, warum denn?“ um 5 Uhr war der Spuk dann endlich vorbei, nichts und niemand hatte Schaden genommen. Lange hörten wir noch das Gewitter, es tobte sich wahrscheinlich über dem Gardasee aus. Wir schlummerten nochmals eine Runde ehe wir dann um halb 8 aus dem Zelt krochen. Ich stand zuerst einmal in einer großen Pfütze, die sich nach dem Unwetter direkt vor meinem Zelteingang gebildete hatte. Im Großen und Ganzen hatten wir sehr viel Dusel. Das Zelt hatte tapfer Stand gehalten, doch klamm war trotzdem alles. Als wir endlich abfahrbereit waren begann es wieder zu regnen und dies sollte anhalten bis zur Mittagszeit.


So radelten wir im trüben und nass grauen Wetter durch Italien. Eigentlich wollten wir noch einen weiteren Abstecher in die Berge machen, doch auf Grund der Wetterlage entschieden wir uns im Tal zu bleiben. Überraschenderweise klarte es dann am Mittag auf. Wir konnten alle Sachen trocknen und in kurzer Hose weiter radeln. Der Weg vom Gardasee nach Como ist recht verzwickt. Es gibt keine direkte Route, es ist mehr oder weniger ein großes ZickZack. So entschieden wir immer sehr kurzfristig wo wir nun lang fahren wollen. Heute hatten wir dann endgültig die Schnauze voll von den Spaghettiessern. Immer wieder mussten wir Steigungen bewältigen, gerade eben 1 Stunde bergauf gefahren, dann geht es 10 Minuten bergab und plötzlich tut sich ein neuer Berg auf und es heißt wieder min. 1 Stunde nur bergauf radeln. Es ist zum aus der Haut fahren. Ebenso machen die Spaghettiesser ihrem Ruf wieder alle Ehre. Sie rasen teilweise wie gesenkte Säue durch die Straßen als seien sie dort alleine unterwegs. Sie überholen sehr dicht um dann kurz vor einem eine Vollbremsung hin zu legen und scharf rechts abzubiegen. Mehrmals entglitt mir der Mittelfinger und Sebastian schrie irgendwelches Zeug den Fahrern hinterher. Es ist kein Spass hier zu radeln, wenn man keinen Radweg hat. Und wir sind uns einig: das war das letzte Mal, dass wir in Italien Rad fahren!!!!!
Nachdem wir den letzten unvorhergesehenen Anstieg hinter uns gebracht hatten, ging es bergab zum Lago de Iseo. Ein kleiner See mit wunderschönem Panorama. Richtung Berge herrschte Gewitter-Stimmung, die Beleuchtung durch die wenigen Sonnenstrahlen waren herrlich. Wir ruhten uns ein wenig an der Promenade aus. Sebastian war recht müde und mir verging die Lust schon wieder wenn ich nur an unser allabendliches Nachtplatz-Programm dachte. Am liebsten würde ich wieder auf einen Campingplatz fahren, Zelt aufstellen und Füße hoch legen und nicht noch eine Stunde radeln und nach einem geeigneten wild-Zeltplatz suchen müssen. Sebastian war so müde, dass er noch nicht mal mehr einen Einwand hatte, so steuerten wir den nächstbesten Zeltplatz an. Ein riesiges Areal. Eine Preisliste hing aus, laut dieser hätten wir knapp 35€ in der Nebensaison! zahlen müssen. Die spinnen doch!! Sebastian packte die Lust, er wollte wissen ob sich nicht etwas machen ließe. Für 15€ würde er hier bleiben. Ich lachte nur und dachte nicht im geringsten daran das es klappen würde. Um auf den Platz zu gelangen, musste er sich von einem Wachposten registrieren lassen. Mit einem Zettel in der Hand durfte er dann auf das Gelände. Er ging in die Rezeption und war lange nicht mehr gesehen. Was macht er nur da drin? Nach unendlich vielen Minuten kam er wieder heraus. Er grinste frech bis über beide Ohren. Für 14 € hat er nun den Platz bekommen!! Weil wir nach 18 Uhr kamen und vor 10 Uhr wieder gehen und nur zwei Räder haben und kein Auto. Na Wahnsinn. Nun befinden wir uns auf einem riesigen Campingplatz mit allem Pi-Pa-Po und vor allem mit vielen Ge- und Verboten!

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