Wir wachten auf und natürlich stand schon wieder ein Großteil der Kinder parat um zu sehen, was die komischen Ausländer machen. Sie verfolgten jeden Handgriff und verabschiedeten uns laut johlend. Faszinierend wie man mit eigentlich Nichts, den Kindern eine Freude machen kann.
Es geht über Stock und Stein, die Straße befindet sich sehr oft in einer Baustellenphase. Immer wieder sehen wir die Straßenarbeiter/innen und auch Kinder, die ganz sicher nicht mit arbeiten weil heute Wochenende ist und sie ihren Eltern helfen wollen.
Ebenso unvorstellbar: über 8 km lang reihen sich Menschen an Menschen, sie buddeln neben der Straße einen Graben in dem sie später wohl irgendetwas verlegen werden. Jeder hat hierbei seine Aufgabe. Der Erste macht die grobe Arbeit, der Zweite buddelt ein Stück tiefer, der Dritte buddelt noch tiefer, der Vierte hackt die Wände ab usw.. Manch eine Truppe hat Glück und kann dies im Schatten der dichten Kautschukbäume tun, Andere wiederum stehen in der sengenden Hitze und sind dieser den ganzen Tag über ausgesetzt. Immer wieder sehen wir auch Mütter mit ihren kleinen Sprösslingen. Sie sind zu klein um alleine zu Hause zu bleiben, bzw. es ist niemand da der auf sie aufpassen kann und so kommen sie halt mit auf die Baustelle. Dort buddeln sie selbst im Dreck oder spielen mit den Steinen, je nach dem was sich gerade finden lässt.
Man könnte ja meinen, diese Menschen könnten froh sein, dass sie Arbeit haben und so ein wenig Geld verdienen. Doch dem ist nicht so. Sie leben meist direkt an der Baustelle in armseligen Hüttchen. Meist nicht größer als 6m² und das Dach ist notdürftig aus Plane zusammen geschustert. Es ist ein trauriger Anblick und irgendwie erinnert es uns an Sklavenarbeit. Weshalb ich dann auch richtig wütend werde, als ich folgende Situation erlebe: wieder mal Baustelle, d.h. eine Spur der Straße ist frei, die andere ist abgesperrt, dort sitzen die Arbeiter, sie sortieren Steine und tragen Sand und Kies auf. Dementsprechend ist also die Fahrbahn nur von einer Seite zu befahren. Kommt Gegenverkehr muss man warten. Nun gibt es hier einen regen Busverkehr und die Fahrer sind die letzten Affen. Sie rasen wie Idioten, drücken mal kurz auf die Hupe und was nicht bei drei von der Straße ist, wird vom Bus zur Seite gefegt. Bremsen? Das gibt es da nicht. Nun fuhr in der Baustelle ein Moped etwas langsam, da der Untergrund sandig und grob-steinig war → Sturzgefahr hoch, ein Bus kommt von hinten angebraust, er hupt, das Moped ist ihm zu langsam, so fährt der Bus einfach auf die Gegenfahrbahn, auf der gerade die Steine neu gelegt werden und überholt. Hierbei machte er einen Großteil der gerade fertig gemachten Arbeit zu nichte.
Mir taten die Bauarbeiter so leid. Sie blieben ruhig und fingen wieder von vorne an. Ich hätte stattdessen am liebsten einen Haufen Steine nach dem Busfahrer geworfen.
Das war nicht das einzige Mal, dass ich mich heute über diese Volldeppen aufgeregt habe. Der heutige Tag war nicht der Hit.
Es ging auf und ab, auf und ab, es war wieder ein heißer Tag und ich war schlapp. Mit jedem Kilometer hatte ich den Eindruck, wird es anstrengender. Wir legten häufig Pausen ein und ruhten uns aus. Hierbei beobachteten wir zwei Dinge. Erstens ein LKW quält sich langsam den Berg hoch, oben angekommen springt der Beifahrer raus, läuft zum Buddha-Schrein, zieht davor die Flip-Flops aus, betet kurz, zündet ein paar Räucherstäbchen an, zieht die Flip-Flops wieder an und geht zurück in den LKW und die Fahrt wird fort gesetzt. Sah irgendwie sehr ulkig aus, da alles in Sekundenschnelle verlief.
Das Zweite was wir sahen: Dass hier die Mopeds gerammelt voll sind, das ist für uns keine Neuigkeit mehr. Hier in Asien passen locker 3-5 Personen auf so einen Motorroller (je nach Statur und Alter), doch heute sahen wir einen Mann, er hatte nur ein Kind dabei, doch es saß nicht wie gewöhnlich vor ihm oder hinter ihm. Er hatte es auf seinen Schultern sitzen. Es war max. 2 Jahre alt. Er hielt es nicht fest, der Mann hatte beide Hände am Lenker, das Kind klammerte sich an seinen Kopf wie ein Äffchen. Wahnsinn welch ein Vertrauen der Mann in das Kind haben muss, dass er so durch die Gegend fahren kann, selbst als er über einen kleinen holprigen Steg fuhr hielt er es keine Sekunde fest.
- Ameisenschutz von Joker 😉
- schon gewusst das Bananen Kerne haben?
Am Abend erreichten wir ein sehr großes Dorf, für burmesische Verhältnisse schon beinahe eine Stadt. Von vielen Reiseberichten und Hören-Sagen, wissen wir, das wild campen in Myanmar verboten ist und das Einheimische, wenn sie einen dabei sehen, bei der Polizei anrufen und dies melden, aus Angst sie könnten Probleme bekommen. Schon oft wurden Reisende am Abend oder gar in der Nacht von der Polizei aufgesucht und in eine Unterkunft gebracht, die natürlich nie sehr günstig war. Ich habe keine Lust auf solche Spässchen und mag es auch gar nicht erst ausprobieren, so beschließen wir den örtlichen Tempel aufzusuchen. Doch wir können ihn nicht finden. Statt dessen fahren wir direkt an der Polizeistation vorbei. Ob sie uns später finden werden oder wir sie jetzt einfach fragen wo wir schlafen dürfen, das macht doch keinen großen Unterschied? So gehen wir zu ihnen und fragen nach einem Schlafplatz. Sie sehen absolut uninteressiert und gelangweilt aus. Sie denken kurz nach, dann sollen wir dem Chef folgen. Er fährt mit dem Moped voraus. Es geht wieder zurück durchs Dorf und endet in einem Restaurant. Im hintersten Winkel steht ein Bett, dort dürfen wir kostenlos schlafen. Er verabschiedet sich und ist wieder weg. Ja wie? Das war alles? Will er noch nicht einmal unsere Pässe kontrollieren? Na wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir uns auch in die Pampa legen können. Nun, was wollen wir machen, jetzt sind wir hier, weg fahren sieht auch blöd aus. Von der Hausherrin wird uns das Bett gerichtet, wir können Duschen, dann essen wir etwas in ihrem Restaurant. Sie bringen immer mehr herbei, Mensch wer soll das denn alles essen?
Es ist 20 Uhr und wir sind hundemüde doch es sitzen noch ein paar durstige Männer im Raum. Na das kann ja heiter werden. Das wird wohl eine lange Nacht. Wir legen uns dennoch nieder und siehe da, es dauert nicht lange, dann sind sie alle verschwunden. Es wird ruhig, die Frauen räumen auf, die Rollos werden herunter gelassen und das Licht gelöscht. Es ist gerade erst 21 Uhr und es herrscht Ruhe. Gute Nacht.