Auf nach Hanoi

In der Nacht konnten wir ungestört schlafen, es kam niemand mehr vorbei der neugierig ins Zelt blicken wollte. Morgens um 5 Uhr (es war noch dunkel) begann dann das Leben wieder. Auch wir dachten so langsam an das Aufstehen. Ein paar Kinder sahen uns dabei zu wie wir frühstückten und das Zelt abbauten, aber alles sehr zurückhaltend. Nachdem unsere Wohnung in den Taschen verstaut war, kauften wir auf dem örtlichen Markt noch etwas Früchte ein, verabschiedeten uns von den Dorfbewohnern und zogen weiter.

Immer wieder auf und ab, links bewaldete Hügel, rechts Hügel und somit kaum Aussicht. Ich hatte keine Lust mehr. Geht das nun so weiter bis wir in Singapur angekommen sind?
An einer geschlossenen Bahnschranke wurde ich dann kurzfristig aus meiner „Miese-Peter-Laune“ heraus geholt, denn meine Aufmerksamkeit wurde auf ein schreiendes Baby gezogen. Unter 20 Motorrollern begann plötzlich ein Baby zu weinen. Es hat sich deutlich nach einem „Frischling“ angehört. Ich blickte mich um und entdeckte vor mir einen Roller, darauf saß ein Mann, zwischen seinen Füßen und dem Lenker ein etwa 4 Jahre altes Mädchen, das zwei Tüten festhielt in dem Babyklamotten, Windel und Feuchttücher zu erkennen waren und hinter dem Mann saß eine Frau. Sie sah sehr müde aus, hatte eindeutig noch einen Schlafanzug im Bärchenmuster an und auf dem Arm hielt sie, ein in Decken gehülltes und das Köpfchen mit einem Fliegennetz abgedecktes kleines Baby. Es sah wirklich wie frisch geschlüpft aus. Kommen die gerade aus dem Kreissaal?? Naja vielleicht mag es ja auch schon 2-3 Tage alt gewesen sein, das kleine Wesen. Trotzdem beneide ich die junge Frau nicht, wie sie da so auf dem Roller saß. Nichts mit, Papa holt Mama und Kind mit Maxikosi im Auto ab. Die arme Frau saß auf dem Roller und musste über holprige Pisten fahren. Wobei anzumerken ist, dass der Mann im Vergleich zu den anderen Fahrern sehr vorsichtig fuhr.
Nachdem der Zug vorbei und die Schranken wieder oben waren fuhren sie davon und wir radelten weiter. Mittlerweile kam die Sonne raus und es wurde schwül warm. Am Mittag öffnete sich die Landschaft zu meiner Freude. Die Hügel rückten auseinander, links und rechts der Straße war wieder Platz für Landwirtschaft. Am Abend suchten wir uns ein Plätzchen am Fluss, ein kleines Stück Wiese war für uns sichtbar, eine Frau saß dort direkt am Straßenrand. Sie deutete auf das Wasser, da draußen war ein Fischer, wohl ihr Mann. Ich fragte sie ob wir da unten schlafen könnten sie nickte. Danke!!
Sie empfing ihren Mann am Ufer, nahm die Fische entgegen, dann kam er mit seinem Bötchen hinter her, es glich einer Nussschale. Auch er versicherte uns, dass wir hier schlafen können. Sie verabschiedeten sich und kehrten zur Straße zurück, wo bereits die Räder standen. Sie hängten das Boot, mit Hilfe einer langen Stange, zwischen ihre Räder und fuhren gemeinsam davon. Es war ein schönes Bild vor allem mit dem Abendlicht. Wir errichteten unser Nachtquartier und kochten uns ein leckeres Essen, bestehend aus: Reis, Knoblauch, Karotte, Kohl und Tomate. Im übrigen, der Kocher läuft wieder 1A!

Am Montag geht es sehr flach weiter. Keinerlei Steigungen mehr, die Hügel sind in die Ferne gerutscht und die Sonne scheint…mir macht es plötzlich wieder Spass zu radeln 🙂


Wir kommen gut voran, unterwegs habe ich ein kleines sportliches Duell mit einem „Staubwedel-Mann“. Er möchte es unbedingt wissen, weshalb ich mal richtig in die Pedale trete…und natürlich gewinne 🙂
Unterwegs sehen wir immer wieder Motorroller mit Schweinen, Hunden, Hühner etc. im Gepäck. Wir fragen uns jedes Mal: „wie bekommen sie diese Tiere in die Käfige?“ In einem kleinen Käfig waren ca. 5 Hunde drin. Wie machen die das? Der Hund geht doch nicht freiwillig da rein? Leider fahren sie immer so schnell an uns vorbei, bis da die Kamera bereit ist, sind sie schon wieder weg.
Am Mittag ist es in der Sonne richtig heiß, wir fühlen uns sehr an die Zeit im Iran und Usbekistan erinnert. Dennoch haben wir um halb 3 schon 85 km hinter uns. Bis Hanoi sind es nun noch 45. Da wir uns noch relativ fit fühlen beschließen wir weiter zu strampeln um am Abend die große Stadt zu erreichen.
Es herrscht ein wahnsinniger Verkehr auf der Straße. Auffallend hierbei ist, dass es mehr Rollerfahrer als Autos gibt. Dies war in China nicht der Fall. Wir wurschteln uns durch die Massen bzw. fließen einfach mit. Trotz des großen Verkehrsaufkommen und damit verbundenem Chaos, es geht irgendwie immer voran. Sebastian fühlt sich wieder richtig wohl in diesem „Roller-Fluss“. Mich strengt es ziemlich an und ich muss immer wieder zusehen, dass ich Sebastian in dieser Menge nicht aus den Augen verliere. Ich bin heilfroh als wir endlich vor unserer Unterkunft stehen. Diese befindet sich inmitten der Altstadt, dort wo sich alle Touristen aufhalten. Es ist schön mal wieder ein paar „westliche Gesichter“ zu sehen.

4 Gedanken zu „Auf nach Hanoi

  1. Peter Bauer

    Ja das sind wieder wunderschöne Bilder …und wie ich sehen kann gibts ja schon den Weihnachtsmann..(hihihi) Gott sie dank habt ihr schönes Wetter bei uns wird es jetzt so langsam kalt. Meine Frage nun hat der Amerikaner wenigstens geschmeckt???????????? Freu mich jedes mal aufs neue etwas von euch zu lesen.
    Wünsche Euch zwei noch eine gute Weiterfahrt ohne größere Vorkommnisse.

    Grüße aus dem kalten Stuttgart Freiberg eure Christine

  2. Sigrid

    Das sind ja wieder unglaublich schöne Aufnahmen und mich packt das Fernweh!!

    Alles Gute euch beiden,liebe Grüße von Sigrid und Karl

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