Auf dem Expressway lässt es sich leichter rollen

In der Nacht hat es immer wieder geregnet, dementsprechend neblig ist es auch am Morgen. Bei diesem Wetter verspüren wir absolut keine Eile, weshalb wir uns noch einmal ausgiebig Zeit für den Kocher nehmen. Er läuft immer noch nicht so wie er soll. So spülen wir die Brennstoffleitung und beschließen das Benzin dem nächsten motorisierten Vietnamesen zu überreichen. Wir wollen uns dann im Laufe des Tages ein Neues besorgen. Gegen 10 Uhr sind wir dann endlich abfahrbereit, es nieselt nur noch leicht, als wir unsere kleine Insel mitten im Gebüsch verlassen.


Es geht mal wieder bergauf und je höher wir kommen desto dichter wird die Bewölkung.

Bei der Abfahrt ziehen wir uns Regenjacken an, es war eine kluge Entscheidung. Je tiefer wir kommen desto schlechter wird die Straße. Schlussendlich fahren wir auf einem matschigen Straßenbelag, es fühlt sich an wie Seife. Zu starkes Bremsen oder zu harte Kurven, du wirst es büsen und im Dreck landen, deshalb ist äußerste Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt. Da bleibt auch keine Zeit mehr für ein nettes Lächeln oder Winken, auch wenn der Vietnamese noch so laut „Hello“ schreit. Es tut uns Leid, doch im Dreck wollen wir absolut nicht liegen. Selbst die Autos stehen manchmal quer.


Wir erreichen eine Tankstelle und probieren sogleich mal unser Glück. Sebastian zückt die Brennstoffflasche und siehe da ohne zu Murren sondern mit dem sofortigen Verständnis was wir wollen, füllt uns der Tankwart die Flasche fein säuberlich bis zur angegebenen Markierung voll. Wir sind so glücklich. Vor allem wenn wir daran zurück denken, welch ein Drama das in China war.
Ein paar neugierige Männer kommen hinzu, wir deuten ihnen die Richtung in die wir fahren wollen, mit dem Zusatz „Hanoi“. Daraufhin winken sie ab und zeigen zurück und dann links. Hää? Da kommen wir doch gerade her, haben wir was verpasst? Immer wieder deuten sie dort hin und sagen noch ein Wort. Dieses Wort hört sich für mich nur wie „Goog goog“ an. Gibt es da Hühner??? Dann zeigt einer von ihnen auf den Matsch, malt eine „25“ auf und deutet in die Richtung in die wir wollen, dann zeigt er auf den „sauberen“ Boden der Tankstelle und deutet in die andere Richtung und da fällt uns der Groschen. „Goog Goog“ ist vermutlich die Autobahn oder auch „Expressway“ genannt und da ist der Asphalt top, auf unserem Weg erwarten uns noch 25 km Matsch. Nein danke! Dann wieder nichts wie zurück. Wir sind ihnen sehr dankbar für diese Info und kehren um. Nach 2 km entdecken wir einen Trampelpfad der zum bzw. auf den Expressway führt. Zuerst schaue ich nur mal nach und stelle schnell fest, das ist der Pfad für die Rollerfahrer. An der offiziellen Auffahrt ist nämlich eine Mautstelle und Motorroller sowie Radfahrer, Fußgänger etc. haben auf dieser Straße nichts verloren. Über diesen Pfad gelangen sie jedoch dort hin und so fahren min. 6 Roller an mir vorbei. Einer macht langsam als er mich sieht, ich sage „Hanoi“ und er zeigt mir in welche Richtung wir müssen. Alla hopp, Räder holen und ab auf die Schnellstraße. Gesagt getan, wir kommen gut voran, allerdings müssen wir erst einmal etwas Matsch von den Rädern kratzen und die Kette ölen, damit es wieder richtig rollt. Unterwegs sehen wir immer wieder Rollerfahrer. Die Straße ist durch Zäune an der Seite eingegrenzt, doch überall dort wo sich Häuser befinden fehlt ein Stück vom Zaun oder es ist zumindest ein Loch drin. So nutzen viele Vietnamesen die Straße dann doch, auch wenn es offiziell nicht erlaubt ist. Uns kommt sogar die Polizei entgegen, sie sagen jedoch nichts, stattdessen winken sie Sebastian freundlich zu.
Wir machen einige Kilometer, hin und wieder schafft es sogar die Sonne durch die dicken Wolken hindurch, dann wird es richtig schwül warm.
Einen Haken hat die Schnellstraße jedoch, es gibt keine Einkaufsmöglichkeit. Stattdessen bieten Einheimische den Lkw-Fahrern etwas zu essen an, so kehren auch wir dort ein. Nach langem Hin und Her können wir uns auf Nudelsuppe mit je zwei Eiern einigen. War alles etwas kompliziert, nachdem dann die Dame mit einem halben Huhn und dessen Beinen fragend vor uns stand, war uns klar: Nein danke! 🙂 Also gibt es Suppe und Kaffee aus der Dose.
Wir radeln weiter und da es uns immer noch an Essen und Getränken mangelt verlassen wir die Schnellstraße, natürlich über einen „Trampelpfad“ und radeln auf kleiner Landstraße weiter. Am ersten Laden müssen wir dann auch sogleich noch eine „Zwangspause“ einlegen, da Sebastians Vorderrad einen Platten hat.
Die Straße führt uns durch viele kleine Dörfer und sie ist nicht von gutem Zustand. Die Schlafplatzsuche ist ebenfalls schwierig, da überall Landwirtschaft herrscht. Wir finden ein kleines Fleckchen zwischen den Häusern. Ich frage bei ein paar Männern nach ob wir dort schlafen dürfen. Sie wirken überhaupt nicht begeistert. Na gut, dann fahren wir eben weiter. Wir werden begleitet von einer Unmenge an junger Schüler/innen. Sie haben wohl alle Schule aus, um 17 Uhr. Nach 3 km entdecken wir in einem Dorf noch eine große grüne Fläche, quasi der Dorfplatz. Wir fragen nach ob wir dort zelten dürfen. Ein junges Mädchen spricht etwas Englisch und sogleich ist die Frage geklärt. Ja, wir dürfen. Toll!! 🙂 Das freut uns sehr, denn in weniger als einer Stunde wird es dunkel sein. So bauen wir das Zelt auf und kochen Reis, natürlich wird dies genauestens beobachtet. Immer wieder kommen Dorfbewohner vorbei. Als es dann dunkel ist, wird es recht ruhig, scheinbar haben sie nun genug gesehen, bzw. essen nun selbst zu Abend.
Plötzlich kommen drei Gestalten auf unser Zelt zu. Mit Hilfe eines Handys wird der Weg geleuchtet. Es ist ein Papa mit seinen zwei Kindern. Sie wollten Hallo sagen und uns zwei Bananen vorbei bringen. Das ist aber lieb von ihnen. Sie gucken noch ein bisschen dann sind sie wieder in der Dunkelheit verschwunden. Immer wieder fahren Mopeds an uns vorbei, da links und rechts von uns Wege sind. Doch niemand nimmt Notiz von uns. Die Körperpflege verläuft heute recht flott. Nackig auf dem Dorfplatz stehen und dabei beobachtet werden 😀 das muss ja nicht unbedingt sein 😀
Es ist halb neun, da tauchen 5 Kinder auf. Sie leuchten mit starken Taschenlampen auf unser Zelt. Wir „morsen“ mit unseren zurück, doch sie trauen sich nicht heran. Plötzlich kommt ein Motorrolller mit zwei Männern hinzu. Einer von ihnen hockt sich direkt in den Zelteingang. Nachdem er fest stellt, dass eine Kommunikation etwas erschwert ist, bleibt er hocken und grinst uns an. Er riecht etwas „schnäpslich“. Er hat wohl in zu viel Reisschnapsgläser geblickt. Nach gefühlten 5 Minuten steht er dann auf, macht Platz für seinen Freund, der sich nicht vor den Zelteingang hockt, sondern sich direkt in die Apside hinein setzt. Nun trauen sich auch die Kinder heran. So blicken 5 Kinderköpfe und zwei Erwachsene in unser Zelt, dass sie nicht einsteigen ist alles. 😀 Der Mann quasselt uns voll, auch er muss wohl ein paar Reisschnapsgläser zu viel in der Hand gehalten haben. Er scheucht sogar einen Bub zur Seite, damit er seine Füße ausstrecken kann. Unglaublich, es war ein Bild für die Götter.20141122_2024_P1040518_TZ10
Nun denn, jetzt haben wir 21 Uhr, der nächste Besucher schleicht schon ums Zelt. Wir werden sehen, was die Nacht heute so bringt. Das sind halt die Nachteile wenn man mitten im Dorf nächtigt.
Wir befinden uns nun auf 40 Meter über dem Meeresspiegel. So tief waren wie das letzte Mal im Iran.

2 Gedanken zu „Auf dem Expressway lässt es sich leichter rollen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.