Ausflug in das Krankenhaus

Eigentlich wollten wir heute weiter radeln, doch über Nacht holt mich die altbekannte Übelkeit mit Bauchschmerzen ein, sodass mir überhaupt nicht der Sinn danach steht aufs Rad zu steigen. Es ist wie verhext, seit der Antibiotikum-Einnahme geht es mir zwar deutlich besser, doch ich kann mittlerweile die Uhr danach stellen: alle 7 Tage habe ich für min. 24 Stunden Magen-Darm-Probleme, aus heiterem Himmel. Die Stimmung ist dementsprechend schon am Morgen an ihrem Tiefpunkt. Ich begleite Sebastian zum Frühstück, bekomme selbst aber, bis auf Tee, nichts herunter. Ein Ehepaar macht zur Zeit Urlaub hier, sie leben in Holland und er ist Arzt. Sie legen mir nahe, doch mal eine Laboruntersuchung zu machen. Also auf, dann machen wir das nun. Uns ist klar, dass ich dies hätte schon viel eher tun sollen, doch die Krankenhäuser von außen zu betrachten hat mir bisher immer gereicht und wir hatten ebenso die Hoffnung gehabt, dass sich bald alles wieder von alleine erledigt.

Alla hop, wir fahren zum Krankenhaus und stehen erst einmal hilflos davor. So viele Gebäude, überall Wegweiser auf russisch. Wir wählen das größte Haus mit dem größten Eingang, stellen aber schnell fest, dass wir hier wohl auf der Neugeborenenstation sind. Schnell wieder weg, ehe sie mir noch eine Schwangerschaft unter jubeln 😀 Wir stehen wieder ratlos auf dem Hof, da kommt eine Schwester mit einem Stapel Akten unter dem Arm uns entgegen. Sie kann kein Englisch, also wird ihr mittels Körpersprache vor gemacht was das Problem ist, ebenso wird das „Ohne-Wörter“-Buch hinzugezogen. Sie versteht was wir suchen und nimmt uns mit. Wie sich gleich herausstellt, sind wir bei ihr an der richtigen Adresse. In einem kleinen Zimmerchen nehme ich Platz auf einer brettharten Liege, sie schiebt mir ein Fieberthermometer unter die Achseln und notiert irgendwelche Dinge in einem Buch. Fieber habe ich keines, jetzt heißt es warten bis die Ärztin kommt. In der Zwischenzeit kommen weitere Patienten, entweder müssen sie warten oder werden gleich weiter geschickt. Nach einer halben Stunde kommt die Ärztin, auch sie versteht kein Englisch und quasselt uns in einer Schnelligkeit auf russisch voll, dass wir nur Fragezeichen gucken 😀 Doch sie nimmt es mit Humor und irgendwie werden wir uns einig. Sebastian schreibt ihr auf einem Zettel, die Daten auf, wann das Magen-Darm-Problem begann und dass ich auch schon Medikamente eingenommen habe. Sie misst meinen Blutdruck, tastet mir den Bauch ab, gibt Anweisungen an die Schwester und will mich für eine Nacht hier behalten. Ich lehne dankend ab, dann verschwindet sie wieder. In der Zwischenzeit holt die Schwester ein Reagenzglas heraus, mit einem langen Stab an dessen Ende Watte gewickelt ist. Ich soll ihr folgen. Wir gehen in ein Kämmerlein, es gleicht einer Fleischereiabteilung… Fliesen vom Boden bis zur Decke, eine uralte Badewanne, alles von anno dazumal und irgendwie ungemütlich. Sie macht einen Abstrich, dann bestellt sie eine weitere Dame, sie sieht aus wie eine vom Hol- und Bringedienst. Diese soll mich nun in das Labor bringen. Dazu müssen wir das halbe Klinikgelände durchwandern und nachdem wir dies getan haben, weiß nun wohl halb Karakol, dass „Touristler aus Germania hier sind und ich ein Magen-Darm-Problem habe“. Jedes Mal, wenn sie dies erzählte, lachte sie herzlich… Naja, hat sie ihre Freude wohl dabei gehabt 😀 Im Labor bekomme ich einen Tropfen Blut abgenommen und muss auf einem absolut versifften Plums-Steh-Klo meinen Urin sammeln. Wir warten ein paar Minuten, dann erhalten wir das Ergebnis, schriftlich, in den Händen. Toll, wenn alles auf russisch da steht 😀 Wir werden wieder zurück zur Schwester geschickt, dort angekommen kommt die Ärztin wieder hinzu und quasselt uns erneut voll. Sie merkt, dass wir nur einen winzigen Bruchteil verstehen, deshalb schreibt sie alles auf einen Zettel und schickt uns damit zur Apotheke. Sie sieht sichtlich entspannt aus, also gehen wir davon aus, dass ich nichts allzu schlimmes habe. Die Behandlung hat 5,60€ und die Medikamente: Antibiotkum und ein Pankreas-Enzym, 90 cent, gekostet.

5 Gedanken zu „Ausflug in das Krankenhaus

  1. muh macht die Kuh

    ohho wo bleibt/ist die Qualitätssicherung?? oder ie Hygienefachkraft :D….
    Ich hoffe mal das sich die 6,50 gelohnt haben- das sind mal preise.^^.
    Gute Besserung und ich drücke in 6 d besonders fest die Daumen!

    Auf eine gute weiterfahrt.

  2. Daniel

    Pia fiebert gerade mit, als ich ihr sagte, dass ihr im KKH seid. „Barbara ist im KKH beim Arzt“. Gleich darauf sang sie jedoch ein Lied: „Schlaf Kindlein schlaf“ wohl um dich zu beruhigen. Der lustige Zettel „CCCP Night Club“ löst allerdings etwas andere Assoziationen aus, als Rezept aus dem Krankenhaus. Wo ward ihr nur wieder…

    1. Sebastian

      Das ist aber nett von Pia. Wir sind mal gespannt wie sie sich gemacht hat und schon ein Geschwisterlein in Anmarsch ist bis wir zurück kommen. 😉 Das mit dem Nachtclub ist mir auch aufgefallen als wir zurück waren, schon lustig. In Zentralasien wird allerdings jegliches Papier verwertet und wenn es die Buch – bzw. Zeitungsseiten auf der Toilette sind…

  3. Martin

    Hallo Ihr beiden,
    habt Ihr jemanden, der Euch das Laborergebnis übersetzt. Ansonsten fallen mir adhoc einige ein, die da helfen könnten. Gute Besserung (wovon auch immer), viele Grüße aus dem sonnigen Walldorf
    Martin

    1. Sebastian

      Hallo,
      um die Laborergebnisse zu dechiffrieren haben wir einen Arzt unseres Vertrauens. Ich denke hier wird noch ein Kommentar kommen um zu beurteilen ob Barbara noch fahrradtauglich ist oder nicht. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert